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12. (3. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.
vor eine grosse Ehre gehalten. Die Knaben aber hatten ihre grösste Freude, mit ihren Fackeln das Quem pastores zu singen. Es wehrte aber dieser Gottesdienst drei gantze Stunden mit Singen und Predigen biss umb zwölf umb Mitternacht. Des Morgendes wie auch des heiligen Abend zur Vesper und Christ Nacht, wenn die hohe Predigt anging, so sang der Kantor aus den Schulen mit den Schülern in die Kirche das Puer natus in Bethlehem, und andere Weihnachtsgesänge und ging die gantze Kirche herumb mit den Knaben, wie in einer Prozession und wieder zurück in die Schule auff das Chor und fing sich alsdenn erst der Gottesdienst an. Und wenn es in der Kirchen gantz aus war und der Segen schon gesprochen worden, ward es auch mit Singen auf solche Weise gehalten. Und das wehrte alle drei Tage im Feste.“
Um 1642 eiferte Professor Dannhauer in Strassburg i. E. gegen die häusliche Weihnachtsfeier (Tille S. 259):
„Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weih nachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause anfrichtet, denselben mit Puppen oder Zucker behängt, und hiernach schüttelt oder abblümen lässt. Wo die Gewohnheit herkommen, weiss. ich nicht, ist ein Kinderspiel ... Viel besser wäre es, man w'eihte die Kinder auf den geistlichen Cedernbaum Christum Jesum.“
Aus diesem Buch entnahm, wie Tille S. 135 und 260 ausführt Georg Grabow, Konrektor des Gymnasiums zu Cölln an der Spree 1679 Stoff für seine „Entdeckung der schädlichen und schändlichen Finsternis.“ „So schreibet D. Dannhawerus, ein berühmter Professor und Prediger zu Strassburg, im IV. Teil der Catechismus-Milch: Wir sind des anklebenden Unflats auch nicht allerdings befreyet. Von dem alten Päbstischen Sauerteig ist noch bei uns der Puppen-Marckt übergeblieben, der offt viel an der Devotion findet, und viel Tohrheiten nach sich schleifft. Und p. 649 schreibet er: Unter andern Lappalien, damit war die alte Weynacht-Zeit offt mehr, als mit Gottes Wort und heiligen Uebungen zubringet, ist auch der Weynachts-Baum, oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker be- henget, und ihn hernach schütteln und abblümen lässt. Wo diese Gewohnheiten herkommen, weiss ich nicht. Es ist ein Kinderspiel, doch besser, als andere Phantesey; NB. ja Abgötterung, so man mit dem Christkindlein pfleget zu treiben, und also des Satans Capell neben die Kirche bauet, den Kindern eine solche Opinion beybringet, dass sie ihre innigliche Gebätlein für den vermummten und vermegeten Christ-Kindlein fast abgöttischer Weise ablegen. Viel besser wäre es, man wiese sie auff den geistlichen Cedernbaum Christum Jesum.“
1680 sagt Grabow r in einem zweiten Traktätlein „Danck-Opffer“ von Freude, das sich die studierende Jugend an dem Weihnachts-Unfug