Heft 
(1896) 5
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12. (3. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.

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imDeutschen Kunstblatt Jahrg. 1850. Friedrich Wilhelm erhielt wirk­lich einen herrlich gemalten Blumenkranz von Dan. Seghers, der eine Madonna mit dem Kinde, gemalt von Erasmus Quellinus, reizvoll um- giebt ein noch heute in unserer Kgl. Gemüldegallerie befindliches Gemälde. Dafür sandte er s. Z. ausser einem verbindlichen Dankschreiben einige Heiligen-Reliquien aus dem alten Berliner Dom, und zwar zwei aneinander hängende Finger des heiligen Laurentius, in vergoldeter Silberfassuug, ferner ein sogenanntes Pilgerhalsband in kostbarer Fassung, an der verschiedene Partikel heiliger Gebeine befestigt waren . . . Wohl niemals kam im Kunsthandel ein gleich seltsames Tauschgeschäft zu stände. Beide Parteien waren gleich befriedigt.

Öfter hatte der Kurfürst mit Kunsthändlern zu thun, die ihm Kaufoiferten in der damals üblichen Form machten; mitunter legten sie den Gesuchen lange Verzeichnisse ihrer Bilderlager, mit zum Teil über­schwänglichen Erläuterungen versehen, bei. Ein solcher Mann war der in Amsterdam ansässige Joann de Reuialme, mit dem der Kurfürst zwischen 1650 und 1660 in Verbindung stand. Dieser Mann scheint vornehmer belgischer Herkunft gewesen zu sein, wenigstens kennen wir ein von Rubens gemaltes Porträt eines Jean-Charles de Renialme, eines belgischen Edelmannes (Museum zu Brüssel) . . . Ein anderer Händler mit Kunstwerken war ein gewisser Gerrit van Uylenborgh, ebenfalls in Amsterdam, vielleicht ein Verwandter der Saskia van Uylenborgh, der Gattin Reinbrandts. Mit diesem Uylenborgh hatte Friedrich Wilhelm eine verdriessliche Sache, die sicli jahrelang hinzog. Er hatte von ihm eine Sammlung italienischer Bilder angeblich erster Meister kaufen lassen. Als die Bilder nach Berlin kamen, erklärte der Hofmaler und Kustos der kurfürstlichen Gallerie Henry de Fromantiou die ganze Sammlung für gefälscht. Fromantiou musste auf kurfürstl. Befehl nach Amsterdam reisen und seine Ansicht vor der holländischen Gerichtsbehörde ver­fechten. In diesem Prozess nahm die Elite der Amsterdamer Künstler­schaft teils für teils wieder-Uylenborgh Partei, und der Kurfürst hatte Mühe, den Handel wieder rückgängig zu machen . . . Endlich rechne ich zu dieser Gruppe von Händlern einen gewissen Liideritz in Leipzig, mit dem der Kurfürst in späteren Jahren verhandeln liess. Lüderitz empfing einmal (1676) eine Summe von 400 Thlrn. für 4 Gemälde.

Ich gehe nun zu einer andern Gruppe von Persönlichkeiten über, die in ihrer Thätigkeit und in ihrem Briefverkehr mit Berlin zwar nur nebenbei die Kunst berücksichtigten, was dann aber für uns immer interessant ist: Es sind die Gesandten, Geschäftsträger und Agenten des Kurfürsten im Ausland. Dieses Kapitel ist so leicht nicht zu erschöpfen, weil es dauernder Forschungen und einer immensen Geduld bedarf, um aus Hunderten von Aktenstössen der brandenburgischen Gesandten an fremden Höfen alles auf Kunst Bezügliche herauszuziehen. Ich kann heute daher