Heft 
(1896) 5
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15. (8. ausserordl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.

wohl daran thut, in jedem Einzelfalle zu prüfen, ob die Volksmeinung Wahres oder Falsches enthält. Überblickt man die Gesamtheit der volkstümlichen Naturanschauungen, so erkennt man, dass sie neben manchen irrigen Angaben und willkürlichen Deutungen, doch auch eine grosse Anzahl richtiger und feiner Beobachtungen enthalten; ja dass vielfach der Zusammenhang der Erscheinungen vom Volke mit be­wundernswertem Scharfsinn erkannt worden ist.

Diejenigen, welche an dem hier nur sehr kurz und skizzenhaft be­handelten Gebiete ein besonderes Interesse nehmen und weitere Beispiele für die volkstümlichen Naturanschauungen kennen zu lernen wünschen, seien auf meine im vorigen Sommer gedruckte umfangreichere Arbeit über denselben Gegenstand hingewiesen; dieselbe ist in der von Max Hesdörfer herausgegebenen Zeitschrift Natur und Haus, Jahrgang 1V, Berlin 1896 bei R. Oppenheim (Gustav Schmidt) erschienen.

15. (8. ausserordl.) Versammlung des V. Vereins­jahres.

Mittwoch, den 13. Januar 1897, abends 7 1 2 Uhr,

im Brandenburgischen Ständehause, Matthäikirchstrasse20/21.

Vorsitzender: Herr Stadtrat E. Friedei.

1. Derselbe ergriff zunächst das Wort zu folgender Mitteilung über die Verkelirtlinden-Sage. In unserer Brandenburgia ist bereits zwei­mal (am 14. Oktober v. J. S. 269 und am 25. November v. J. S. 284 flg.) von den im Volksmunde sogenannten Verkehrt-Bäumen, namentlich von den zum Zweck eines Ordals, Gottesgerichts, verkehrt gepflanzten Linden meinerseits gesprochen worden, insbesondere habe ich bei erst­genannter Gelegenheit darauf hingewiesen, wie ich seit Jahr und Tag das hierauf bezügliche litterarische Material im Märkischen Museum ge­sammelt und als Vorsitzender, der Städtischen Park-Deputation durch Herrn Obergärtner Hampel praktische Versuche mit dem Verkehrt­pflanzen von jungen Linden veranlasst habe. Um dieselbe Zeit hat unser Mitglied Fräulein Clara von Förster die damals ebenfalls bereits erwähnte Sage von den drei Verkehrtlinden auf dem Heiligen Geistkirchhof zu Berlin dichterisch behandelt und zu dem Schauspiel ausgestaltet, welches eine unserer bewährtesten und beliebtesten drama­tischen Künstlerinnen, Frau Nuscha-Butze, demnächst vorzutragen