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1. (1. ausgerordl.) Versammlung des VI. Vereinsjabres.
Wie viele wissenschaftliche Hoffnungen hat solchergestalt das durch die verhängnisvolle dreifache 8 stigmatisierte Unglücksjahr zu Grabe getragen!
Die Zeit verrauscht init nur zu schnellem Flügelschlage. Fast ein Jahrzehnt ist seitdem bereits unter der Herrschaft unseres jetzigen Kaisers und Königs verstrichen. Auch ihm haben miteinander ver- schwistert Unverstand und Bosheit unserer Feinde kriegerische Gelüste untergeschoben. Diese Voraussage ist längst als eitel Dunst erwiesen. Kaiser Wilhelm II. steht gerade umgekehrt an der Spitze der Friedens- Liga. Freilich ist er aufs eifrigste bedacht, Heer und Flotte in bestem Zustande zu erhalten, er befolgt aller damit nur den alten politischen Grundsatz: si vis pacem — para bellum. Wie sehr ihm der allgemeine Frieden am Herzen liegt, sehen wir an unseres Kaiserlichen Herrn erfolgreichen Bemühungen, den drohenden Wetterbrand im Südosten unseres Erdteils zu löschen.
So verehren wir denn auch in unserm jetzigen Laudesherrn heut Abend in erster Linie den Friedensfürsten, unter welchem nicht minder Kunst und Wissenschaft gedeihen. Wir wissen aber auch aus seiner jüngsten Rede unter den Brandenburgern, wie sehr er unsre engste Heimat liebt, wie hoch er seine treuen Brandenburger schätzt.
Dafür sei unser Markgraf bedankt-, und begeistert rufen wir dreimal vereint: Seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, König und Herr, Er lebe hoch, nochmals hoch, immerdar hoch!“
Es wurde hierauf das vom Mitglied Franz Körner gedichtete Kaiserlied nach der Melodie „Feh bin ein Preusse“ gesungen.
Schulrat Dr. Euler toastete auf die Gäste, worauf Direktor Julius Müller namens der letzteren dankte.
Den Damen galt, das Lebehoch des Geheimrat Wilhelm Liebenow, ebenso alsdann sein nach der Melodie „Santa Lucia“ gesungenes Lied auf unsere Damen.
In schlagfertiger geistvoller Weise bedankte sich Fräulein .loseiine Freytag.
Fräulein Martha Kitter und Frau Kuhlmanu erfreuten durch wahrhaft künstlerische' Gesangs vertrüge, Herr Franz Körner noch durch ein humoristisches antediluvianisches rixdorf-britzer Mammuthlied, welches nach der Melodie „Wenn meine Frau mich ärgern thut“ ergötzlich gemeinschaftlich gesungen wurde, nicht minder gefiel eine scherzhafte „prähistorische Skizze,“ die Mitglied Pütz vorführte und erläuterte.
Nach dem Festessen trat der Tanz in sein Recht und hielt viele Teilnehmer noch fast bis zum anbrechenden Tage zusammen.
Der neue Festausschuss (Fr. Körner, II. Maurer, Ptiiz) bewährte sich glänzend, besonderer Dank gebührt noch Herrn Fr. Körner für die