Heft 
(1896) 5
Seite
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Bücherschau.

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Der Engere Ausschuss wurde daher ersucht, mit dem Touristen- Klub wegen Ueberlassung von Photographien und seiner Mitteilungen in Verbindung zu treten.

B.

Bücherschau.

Synopsis der Mitteleuropäischen Flora.

Von Professor Paul Ascherson.

Warum man über dies langerwartete, jetzt zur guten Stunde ans Licht tretende Werk gerade meine Meinungsäusserung zu hören verlangt? Viel­leicht, weil nicht ohne Grund anzunehmen war, dass ich der Genesis des­selben nahegestanden habe und nicht ohne genauere Kenntnis vom Plan des Buches sowie von den Intentionen und langjährigen Vorarbeiten seines Ver­fassers geblieben sei, ohne deshalb von der Unabhängigkeit meines Urteils etwas aufzugeben.

Sagen wir von vornherein, dass diese eminente Publikation, obwohl den höchsten Anforderungen strenger Wissenschaftlichkeit voll entsprechend, doch zugleich im besten und edelsten Sinne des Wortes populär zu sein ver­spricht, indem sie, wie kaum eine andere, die von so Vielen angestrebte Er­kenntnis heimischer Pflanzengebilde begründen und erweitern will. Nicht mehr, wie sonst, in feierlichem Latein, nein in allverständlicher Muttersprache tritt uns hier Beschreibung der uns umgebenden Gewächse vermittelst klar veranschaulichter Merkmale entgegen; auch den volkstümlichen Benennungen bis zu den slavischen hinausgreifend, hat die linguistische Gelehrsamkeit des Verfassers ausgiebig Rechnung getragen. So ist es denn ein Handbuch für alle Pflanzenfreunde, das wir empfehlen.

Betonen wir ferner, den Wenigen gegenüber, die es etwa noch nicht wissen sollen, dass Professor Ascherson in weitesten Kreisen als einer der vollen­detsten Kenner der Floren sowohl Europas wie Afrikas gilt und vom Studium gerade unserer märkischen Pflanzenwelt ausgehend, für sein Wissen und Können immer weitere Horizonte zu gewinnen verstanden hat. So ist derselbe auf einen Höhepunkt gelangt, für den der Ausdruck Weltruf nicht zu gewagt er­scheint. Wenn er jetzt der wertvollen und langen Reihe von Arbeiten aus seiner Feder gewissermassen den Abschluss geben will, so verwirklicht sich damit nur einer der wärmsten Wünsche, die im Kreise seiner Verehrer seit sehr lange schon gehegt worden sind.

Viele Jahre hindurch ist Koch's Synopsis der Flora Deutschlands der Ariadnefaden gewesen, der die Neophyten der scientia amabilis zum Altar der blütenreichen Göttin geleitete, den weiter Vorgeschrittenen allezeit ein Bei den ungeheuren Fortschritten treuer und zuverlässiger Ratgeber war. jedoch, welche die Botanik gemacht hat, mussten sich Anforderungen heraus­stellen, denen auf hergebrachtem Wege nicht mehr durchweg Genüge zu leisten war. Ein tiefer eingreifender Geist der Forschung, Verlangen nach Lösung verwickelterer Streitfragen, schienen sich abzuwenden von jener klassischen Einfachheit einer Anschauungsweise, die seit der Epoche des grossen