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19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
wie wohlwollender, aber ungemein prachtliebender Herrscher war. Im Jahre 1569 erhielt er von Polen die Mitbelehnung über Preussen, welches bekanntlich — bis 1525 noch Ordensland — unter dem derzeitigen Hochmeister, Markgraf Albrecht von Brandenburg, ein unter polnischer Hoheit stehendes Herzogtum geworden war. Seit 1486 sind die Hohen* zollern heimisch in der Mark, und 39 Jahre später knüpften sich die Bande zwischen Brandenburg und Preussen. Seitdem — es sind also 373 Jahre vergangen — haben wir Brandenburger und Preussen uns meist gut vertragen.) Besagter Prunksaal Joachim II. war märchenhaft ausgestattet. Zwischen den zu Schmausereien bestimmten Tafeln hatte man den Boden mit grünem Rasen belegt, und über eine kunstvolle Brücke musste der mit Weinfässern beladene und von Küfern begleitete Wagen fahren. Die Fässer wurden vor die Schänktische gerollt; und durch Schläuche floss nicht nur ungarischer, fränkischer und rheinischer, sondern auch märkischer Wein in Humpen und Krüge. Bei deu Klängen der Musik kamen Mädchen über die Brücke. Sie waren bekränzt und auch im übrigen geschmückt und hatten die Speisen herbeizutragen. (Wenn ich hier über Kulturgeschichtliches aus der Tierwelt berichten wollte, so würde ich eine Weile lang nur Namen aufzuzählen haben; es ward erstaunlich viel aufgetragen. Aber wir wollen uns an den Wein halten und nur nebenbei bemerken, dass ein gebratener Schwan in vollem Federkleid erscheinen musste.) Man sang vom Weine u. a.:
Mein lieber Herr, ich will Euch dessen bringen
Und fröhlich, fröhlich singen;
Frisch auf, Ihr Herr’n, heran und d’ran!
Das Fässchen hat kein’n Panzer an.
Gegen Schluss des üppigen Mahles wurde der „Mischtrank“ gereicht, d. h. für die Männer ein märkischer Wein mit starken Gewürzen, Muskatnuss, Nelken, Ingwer, oft auch mit Bier gemischt, für die Frauen ein Getränk, in welchem Zucker, Honig und Rosenblätter eine bedeutende Rolle spielten. Joachim II. hatte die erlesensten Weine in seinen Kellern und benutzte unpatriotischer Weise das märkische Gewächs nur zum Mischtrank. Der Adel hielt es für seine Pflicht, dem Beispiele des Kurfürsten zu folgen. Doch die Bürger tranken den einheimischen Rebensaft, wie ihn die Kärrner in die Städte brachten. In fast jedem märkischen Bürger- und Bauernhause lag neben der Biertonne ein Fässchen Wein. An einer Weinsteuer fehlte es nicht, und wer sich ein Ohm oder Fuder kommen liess, musste eine hohe Abgabe errichten. Selbst ärmere Leute tranken damals ihr Kännchen Wein. Sie holten ihn vom Auszapfer, wie man den Schankwirt nannte, bei dem sich gewöhnlich auch die Innungsstnbe befand. Dann war neben dem Innungswappen über der Hausthür noch eine Traube gemalt. Die Vornehmen kamen schon am Morgen in die Geschlechterstuben, um märkischen