19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Wein, mit starken Gewürzen gemischt, zu trinken; aber die Handwerker suchten ihre Zechstubeu erst am Abend auf. Dort ward nur ganz junger Wein, einjähriger, sogenannter Firnewein, ohne Mischung geschänkt. Die Begründung des Weinbaues in der Mark verliert sich im Dunkel der Vergangenheit. Man glaubt, dass Albrecht der Bär zuerst Setzreben durch Rheinländer nach Brandenburg kommen liess; sicher ist, dass die Dominikaner schon 1187 Weingelände am Berliner Kreuzberge hatten. (Wer jetzt im Victoria - Park umherwandelt, muss sich am Dufte von Erinnerung und Sage genügen lassen, falls er es nicht vorzieht, zu Borchardt, Haussmann und anderen bewährten Quellen zu wandern.) In jener fernen Zeit wurden auch um Stendal, Rathenow, Oderberg und Guben, sowie noch an vielen anderen Orten Weinberge angelegt.
Bis zum Jahre 1536 pflegten die Gubener Weingartner alljährlich zu Frühlings- und Herbst-Anfang einen feierlichen Umzug zu halten. Die Geistlichkeit schritt voran; und man sang Lieder auf den Weingott und den Kaiser Rothbart, den Beschützer des Weinbaues. So erzählt Karl Gau der in seinen „Niederlausitzer Volkssagen.“
Die Ausfuhr des märkischen Weines stieg zu bedeutender Höhe. Er ward zu einem der wichtigsten Handelsartikel, den man zu Wagen und Schiff nach Preussen, Böhmen, Polen, Russland, Norwegen und sogar nach Frankreich — zu „Weinfälschungen“ versandte. Wie uns Nordhoff belehrt, haben dann rauher gewordenes Klima, Wandel der Kulturverhältnisse und Eingehen der Klöster gemeinsam an dem Niedergang des märkischen Weinbaues gearbeitet; der dreissigjährige Krieg gab ihm sozusagen den Rest.
Doch nein, ganz ist der märkische Weinbau noch nicht abgethan. Im vorigen Sommer konnte unser verehrter Johannes Trojan, als er eine Wiuzershochzeit an der Mosel mitmachte, erleben: dass zum Schmücken des Festsaales grosse, reife Weintrauben verwandt waren, die aus Südende bei Berlin stammten, nämlich von dem Gärtner Kotte, der sie — allerdings im Glashause — zur beschleunigten Reife genötigt hatte. Die prächtigen Trauben waren, mitsamt den abgeschnittenen Reben, an einer durch den Saal gezogenen Schnur befestigt und bildeten einen ungemein hübschen Ausputz, der allgemeines Bewundern fand und allmälig zu einer richtigen Weinprobe herhalten musste.
In Werder bei Potsdam wurde noch vor einigen Jahrzehnten Wein gekeltert; ob derselbe zur Ausfuhr kam, kann ich nicht sagen.
Elszholtz spricht sehr viel vom Weinbau in der Mark Brandenburg; doch wollen wir uns nicht lange bei ihm aufhalten. „Gegen Bartholomäi (sagt er) fangen einige Trauben an zu zeitigen und dem Wein-Herrn wegen gehabter Mühe einen fröhlichen Blick zu geben, sonderlich wofern der Jahrgang gut ist. — Die gesammelten Trauben