30 19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
werden in Zuber oder Tienen, welche etwas von der Erden erhoben stehen, geschüttet und durch starke Männer mit Füssen wol zertreten.“ Ein sogenanntes Hausbuch vom Jahre 1598*), welches in seiner Vorrede den kurfürstlich brandenburgischen Konsistorialrat und Propst zu Berlin, den Herrn Jacobo Cölern, und dessen Sohn M. Johann Cölern — welche beiden sich durch umfangreiche Schriften einen Namen machten — als Verfasser rühmt, bringt eine sehr eingehende Anweisung für Weinberg - Besitzer. Da heisst es denn: „Wer einen Weinberg bawen will, der muss einen andern in der D asche n haben, das ist, Er mus manche Jahr nach einander gar viel mehr auff seinen Berg oder Garten wagen, denn Grund vnd boden, vnd alles was droben stehet, werth seyn. — Wo es Sandicht ist, da gibet es gerne süsse vnd wolgekochte Wein. — Wenn man den Wein lieset, so gebe man den Lesern vnd Pressern balde früe Mittags vnd Abends, jedoch nach des landes brauch vnd gelegenheit, genug zu Essen vnd zu trinken, denn wenn man etwas daran erkargen oder ersparen wil, so essen sie desto mehr wein vnd trinken Most, so hat mans doppelten schaden. — Wenn etliche den Most so süss behalten wollen, dass er bleiben sol, wie er von der Pressen gelauffen, so thun sie nur bald Kese ins Fass; Etliche geröst Brod. — Ist der Wein trüb vnnd nicht sawer, so thue in den Wein für 1 Pfennig Ziegen Milch, vnnd mische die wol, so wird er lauter vnd schön. — Weisse Wein oder blanke Wein seynd die schwechste Wein, die man haben kann; drumb seyn sie am aller bequemsten den Leuten die da studieren sollen oder sonst ein schwach gehirn haben. Die rothen steigen einem ehr vnd mehr ins Heupt. Drumb seyn sie denen Leuten nicht gesund die schwache Gehirn haben. (Es scheint, dass ein starkes Gehirn zu jener Zeit als Seltenheit angenommen wurde.) Darnach sol man weiter wissen, dass das Ingenium eines Menschen, der ein stark gehirn hat, mehr gescherfft wird, wenn er einen rechten guten gesunden Wein trincket, als sonsten, wenn er jn nicht trincket. Denn ein solcher Wein gibt gute klare subtile reine Spiritus oder Geister, drumb pflegen die Theologen solche gute Weine zu trincken, wenn sie mit hohen Gedanken vmbgehen, vnd sollen derentwegen solche Leute (die beiden Cölern wären Geistliche) mit rechten guten klaren, wol- riechenden gesunden Weinen wol versehen vnd versorget seyn. — In Summa: Unter allen Säfften, die inn der Welt seyn können, ist der Edle Rebensaft der allerköstlichste vnd herrlichste.“
K. Neumann-Strela sagt, in der Mark Brandenburg sei die Weinlese mit einem Tanze unter der Linde beschlossen worden. Begeben wir uns, geehrte Anwesende, da uns nach den Wein-Bildern doch etwas
*> M - Johannis Coleri, Oeconomia und Hausbuch. Ander Theil. Gedruckt zu Leipzig, durch Frantz Schnelboltz. 1598.