Heft 
(1898) 7
Seite
31
Einzelbild herunterladen

19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

31

heiss geworden sein könnte, in Gedanken auch unter die kühlende, schattige Linde!

Es giebt in der Mark mehrere Linden, die sich einen Namen ge­macht haben. Zuerst will ich jene aus dem Grunewald anführen: die bekannte, allerdings entschlafene Jaczo- (oder Jaczko-) Linde, deren Alter freilich nicht festgestellt ist.Nicht ausgeschlossen kann die Möglichkeit bleiben, das Jaczo seinen Schild an jener Linde aufgehangen, die damals freilich noch ein junger Baum gewesen sein musste. Denn man berechnet das erreichbare Alter der Linde bis auf 800, ja selbst bis auf 900 Jahre. (D. Tagesztg. 17. Aug. 97.) Hier muss ich nun zunächst bemerken, dass von anderer Seite behauptet wird, Jaczo von Köpenick habe seinen Schild an eine Eiche gehängt. Das lässt sich jetzt nicht mehr untersuchen. Jaczo, bekanntlich ein Vasall des märki­schen Fürsten Pribislaw, leistete heftigen Widerstand, als genannter Fürst sein Land dem Markgrafen Albrecht dem Bären vermachte; er tliat dagegen Einspruch und eroberte im Jahre 1157 Brandenburg. Albrecht vertrieb ihn aber wieder und nahm ihm seine Lande Barnim und Teltow (mitsamt allen Rübchen), worauf Jaczo nach Pommern ging, woselbst er gestorben ist. Die Sage erzählt, dass er auf der Flucht nach seiner Niederlage an die Havel gekommen sei und dem Christengott gelobt habe, seinen Glauben anzunehmen, wenn er sich glücklich über den Strom rette. Dies gelang ihm; und min habe er seinen Schild an einen Baum gehängt und sich Albrecht unterworfen. Daher soll der Name Schildhorn im Grunewald stammen. Andere Namenserklärungen bringt W. Schwartz in seinenSagen und alten Geschichten der Mark Brandenburg. In diesem hochinteressanten Büchlein finden wir noch weitere berühmte Linden. Zunächst jene, welche als eines der Wahr­zeichen Neu-Ruppins gilt.Neben der Klosterkirche steht nach dem See zu an der Mauer eine alte Linde. Die Einen erzählen, dass in die­selbe einmal die Pest gebannt sei; die Andern sagen, darunter hätten die Mönche bei ihrem Abzüge ihre Schätze vergraben. Schon zweimal ist sie dem Eingehen nahe gewesen, aber immer wieder ausgeschlagen.' Wenn sie zum drittenmal ausschlägt, können wie man glaubt die Schätze gehoben werden. Die Geschichte der drei Linden auf dem Heiligen Geist-Kirchhofe in Berlin, welche als Orakel verkehrt gepflanzt sein sollen, ist den Mitgliedern derBrandenburgia in so guter Erinne­rung, dass ich hier eine weitere Erwähnung unterlassen kann. Nach W. Schwartz wollte man von den mit diesen Bäumen in so bedeutungs­vollen Zusammenhang gekommenen Brüdern eine Familievon der Linden ableiten. Schliesslich führe ich aus genanntem Büchlein die Bittschriften-Linde in Potsdam an.Friedrich d. Gr. bewohnte die Eckzimmer im Potsdamer Schlosse nach der Teltower Brücke zu, von welchem Platze aus der König die Aussicht auf die Havel und den