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B. Seiffert, Das Dominikanerkloster in Strausberg.
3. Der Mönchskonvent oder „die Versammlung“.
Die Anzahl der Mönche kann nicht gross gewesen sein. An der Spitze derselben stand der Prior, der alle drei Jahre durch freie Wahl der Brüder ernannt wurde, doch auch wiedergewählt werden konnte; er vertrat den Konvent und die Klosterinteressen der Aussen weit gegenüber und wachte darüber, dass von allen Insassen die Gelübde und Satzungen des Ordens und die Weisungen der Vorgesetzten Provinzialen gewissenhaft befolgt wurden; ihm liel also die Verantwortlichkeit für die seelsorgerische Thätigkeit der Brüder und die Aufsicht über ihr sonstiges Verhalten zu. Dein „Kämmerer“ unterstand die Oberleitung des gesamten Wirtschaftswesens; was das Kloster an beweglicher und unbeweglicher Habe besass, wurde von ihm verwaltet; er zog die Pachte und Zinsen ein, beschaffte und ergänzte das Inventar an Möbeln, Geräten und Kleidungstücken und sorgte für Verpflegung der Gäste. Unter ihm waltete Bruder Kellner der Brauerei, Branntweinbrennerei und Weinkelterei, Bruder Küchenmeister schaltete und waltete in Küche und Garten. Den Gottesdienst leitete der Prediger oder Pfaffe unter Beihülfe des Küsters und der Chorknaben, die Bibliothek verwaltete der Scholast.
Die übrigen „Religiösen“ fanden diejenige Beschäftigung, die ihren Anlagen und Neigungen am meisten entsprach. Die geistig Befähigten verfassten Predigten oder andere theologische Abhandlungen, studierten oder schrieben Messbücher und fromme Gesänge ab;*) wer dagegen ein Handwerk verstand, machte sich durch dessen Ausübung nützlich, die andern halfen in der Wirtschaft oder sammelten Almosen, sie Messen „dienende Brüder“.
Nur wenige Namen von Prioren und Mönchen sind überliefert. Ausser dem bereits angeführten Prior Hermann, welcher der Abgrenzung des Klosterbezirks beiwohnte, und Werner Pfuel, unter dessen Amtszeit die Erneuerung der Klosterprivilegien erfolgte, sind es noch folgende:
Nicolaus Pfuel, geboren in Strausberg,**) und von seinen Eltern schon in der Jugend zum geistlichen Stande bestimmt, besuchte, um sich zu seinem Berufe vorzubereiten, verschiedene Klöster. Als er 1442 in das Kloster St. Mauritii Ordinis Canonicorum zu Halle eintrat, sollte geiade auf Befehl des Erzbischofs Günther von Magdeburg die Ordens- legel in einigen Punkten geändert werden. Es erschien der Erzbischof mit den verordneten Reformatoren im Kapitel und liess durch den
*) Bruchstücke von solchen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Pergament- büchern (Neumenschrift mit untergelegtem Text), mit schönen buntfarbigen Initialen ausgestattet, haben sich zerstreut als Aktendeckel oder -Kücken im Archiv gefunden. Der Verfasser hat sie gesammelt und dem Archiv als selbständiges Aktenstück einverleibt.
**) Nach Perlitz. cf. auch Fischbach a. a. 0. S. 506.