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B. Seiffert, Das Dominikanerkloster in Strausberg.
wirtschaftlichen Verhältnissen gestanden, obwohl es ausgedehnte Zollgerechtigkeit besass und an der grossen Heerstrasse lag, die von Norden her nach dem Odergebiet (Frankfurt) führte. 'Wenn auch zugegeben werden muss, dass im 14. und 15. Jahrhundert durch die Poinmern- fehden, das Raubritterwesen und den Hussitenzug der Stadt übel mitgespielt und dieselbe durch die Verwüstungen des 30 jährigen Krieges an den Rand des Verderbens gebracht worden ist, — diese Schicksals- schläge haben mehr oder weniger auch andere Städte der Mark darniedergeworfen, und doch haben sich diese wieder erholt, weil sie reichlichere Hülfsquellen in ihrem Besitz oder in der Kraft ihrer Einwohner zur Verfügung hatten, während Strausbergs Einwohner je und je sieh als „blutarm“ bekannten.
Und doch ist die volkstümliche Ansicht „von der ehemaligen Grösse, blühenden Wohlhabenheit und politischen Bedeutung der Stadt, die leider, leider geschwunden sei“, so tief eingewurzelt, dass man den Vorwurf der Pietätlosigkeit gewärtigen muss, wenn man das Unhaltbare solcher Äusserung aufzudecken sich unterfängt. Dies gilt von der „ehemaligen churfürstlichen Residenz“, von der sog. Kalkgerechtigkeit, gilt auch von der Fürstengruft in der Klosterkirche, „woselbst viele von den ältesten Markgrafen und Kurfürsten (!) begraben liegen“.
Durch die urkundliche Überlieferung steht zunächst fest, dass der Stifter des Klosters, Otto III., seinem ausdrücklichen Wunsche gemäss, in Strausberg beigesetzt zu werden, neben dem Hochaltar der Klosterkirche seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Die alte märkische Fürstenchronik berichtet über die Beisetzung folgendes;
Obiit — seil. Otto tercius — autem Brandenborch, audita missa de sancta trinitate in die dominica devotissime, presentibus pluribus fratribus Predicatoribus et multis aliis desideratis, anno Domini MCCLXVII in die sancti Diohysii. Cuius corpus Beatrix, eius uxor, cum Johanne et Ottone filiis suis deducens Struzeberch in choro ecclesie fratriun Predica- toruin, quam fundaverat et ubi sepulturam elegerat, presente Conrado Magdeburgensi archiepiscopo, et missain celebrante domino Wilhelmo episcopo Lubusano, coram positis suis fratuelibus, principibus, comitibus et nobilibus honorifice sepelivit.*)
*) Die genaueren Quellenangaben zu diesem Abschnitt sind mir vom Herrn Oberlehrer Pieper-Berlin zur Verfügung gestellt worden, wofür ich ihm an dieser Stelle verbindlichst danke. — Mit der zitierten Stelle stimmen fast wörtlich überein die verschiedenen in dem Cod. Goslariensis, Cod. Trevirensis, bei dem Epitomator Britzensis und bei Pulkawa vorliegenden Versionen der Fürstenchronik, cf. G. Sello in den Forschungen zur Brand, u. Preuss. Gesch. I (1888) S. 126. Mon. Germ. Hist. Scriptores, XXV (1880) S. 480. 482. XXV, 1. (1896) S. 34.