B. Seiffert, Das Dominikanerkloster in Strausberg.
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Dieser Bericht, aus dem alle späteren Anhalten ähnlicher Art direkt oder indirekt geflossen sind, ist durchaus zuverlässig, da die Märkische Fürstenchronik in ihrer ältesten Gestalt etwa 15 Jahre nach Ottos Tode entstanden ist und ihr Verfasser, wie allgemein anerkannt wird, zu der Person dieses Fürsten in näherer Beziehung gestanden hat. Wenn nun weiter Perlitz, der bei der Niederreissung des Klosters im Jahre 1787 mit eigenen Augen gesehen hat, in seiner handschriftlichen Beschreibung der Stadt Strausberg erklärt: „Als die zerfallenen Klostergebäude mit der ebenfalls zerfallenen Kirche wegen beabsichtigter Erbauung des Landarmenhauses niedergerissen wurden, fanden sich in der Kirche in der Gegend des Altars zwei ausgemauerte Gräber. In dem einen lagen noch ein paar Knochen von den Gebeinen, das andre aber war ganz leer, gab auch keine Anzeige, dass jemals ein Körper sollte drin gelegen haben“: so darf man ohne weiteres aunchmeu, dass das erstgenannte Grab dasjenige Ottos III. gewesen ist. Für wen das zweite leere Grab bestimmt war, lässt sich nur vermuten; die meiste Wahrscheinlichkeit hat die Annahme für sich, dass es, gleichzeitig mit dem ersten geltaut, für Ottos III. Gemahlin Beatrix bestimmt war. Dass diese aber nicht hier bestattet worden ist, sondern zu Breslau in dem Kloster der Heiligen Clara begraben liegt, bezeugen die Notae monialium Sanctae Clarae:*)
„Anna ducissa, iilia regis Bohemie, coniunx ducis llenrici et du- cissa Wratislavie, fundatrix monasterii sancte Cläre . . . sepulta aput ehorum sororum in capella sancte lledwigis. Capelia clioro sancte Cläre annexa ... in ipia capella principes multi sunt sepulti et principum pueri, videlicct Anna supradicta et domina Beatrix, germnna soror ejus- dcin, ambe tilie regis Bohemie. Quo Beatrix marchionissa Brandburgensis obiit anno Domini MCCLXXXX, Kal. Junii“
sowie ein Zusatz zur Märkischen Fürstenchronik in dem Cod. Trevirensis:**)
„Beatrix obiit MCCLXXXVI Urbani pape Wratizlavie apud Sanctam Claram sepelitur.“
Wohl aber soll noch ein anderes Mitglied des askanischen Fürstenhauses hier beigesetzt worden sein; es berichtet nämlich E. Brotuff, der noch viele alte Quellen benutzen konnte, die seitdem verschwunden sind,
*) Jetzt am besten herausgegeben von Wilh. Arndt in den Mon. Germ. Hist. Scriptores, Bd. XIX (1866) S. 533—536. Der Widerspruch in den beiden Jahreszahlen 1290 und 1286 ist schwer zu lösen; auch wenn man einen Schreibfehler annimmt, ist das richtige Jahr nicht zu bestimmen. Die Zusätze im Cod. Trev. gehen bei der brand. Fiirstenchronik sonst nur bis 1287, dagegen bei der mit ihr eng verbundenen Chronica principum Saxoniae bis 1294, in welchem Jahre also die ganze Handschrift entstanden sein dürfte, während die älteste Handschrift der Notae monialium 8. Clar Wratisl, aus dem 14. Jahrhundert stammt.
**) vgl. die in Anmerkung auf S. 128 citierten Stellen.