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14. (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.
derselben zeigt. Gerade in dem Spiel des Lichtes auf diesen Flächen liegt der grosse Reiz der musivischen Darstellung. Die Gold- und Silberstückchen müssen selbstverständlich die glatte Fläche des Ueber- fangglases dem Beschauer zuwenden. Bei feineren Arbeiten kommen sowohl verschieden starke und verschieden geformte Glasstäbe, deren Bruchfläche ein bestimmtes Muster aufweisst, zur Verwendung, wie auch Mosaikstückchen, die man für die Stelle, an der sie eingefügt werden sollen, vorher ganz genau zurecht schleift. Ein nach dieser letzteren Methode angefertigtes Bild zeigt kaum bemerkbare Fugen und wirkt schon aus einiger Entfernung wie ein unter dem Pinsel entstandenes Gemälde.
Dass es sich bei dekorativen Arbeiten von selbst verbietet eine derartig feine Technik anzuwenden, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Einmal würden die Herstellungskosten viel zu hohe werden und sodann — und dies ist eigentlich die Hauptsache — würde der Charakter des Mosaiks bereits in einiger Entfernung verloren gehen. Man würde das Mosaik für eine Malerei halten und sobald dies der Fall, liegt zweifellos ein Verstoss gegen den Stil vor.
Die von uns hier ausgestellten feineren Arbeiten, wie das Kaiserbild, sowie der Christuskopf nach Guido Reni, fallen, von diesem Gesichtspunkte betrachtet, bereits aus dem Rahmen des eigentlichen Mosaiks heraus; allein es sind dies auch bei uns nur Ausnahmen, Mosaikbilder, welche schon durch das Motiv selbst nur für Nahwirkung bestimmt sind und die als Beweis dafür dienen können, dass der Technik als solcher die Wiedergabe, auch der schwierigsten Aufgaben möglich ist, sowohl was die Farbe, als war die Form anbetrifft. In allen sonstigen Fällen ist es erforderlich, dass der den Carton ausführende Künstler bereits im Entwurf auf den, dem Mosaik eigenen Stil Bedacht nimmt und wo dies der Fall, wo Maler und Mosaikist beide Hand in Hand arbeiten ist auch die deutsche Mosaikkunst in der Lage Arbeiten zu schaffen, die den antiken Meisterwerken ebenbürtig an die Seite gestellt werden können.
Ich möchte mir noch gestatten darauf hinzu weisen, dass hier auch einige Marmormosaikproben von der mit uns liierten Firma Pellarin & Co. ausgestellt sind.
Die hierbei angewandte Technik ist dieselbe, welche bereits von den Römern geübt wurde; die achteckige Platte ist sogar eine getreue Nachbildung eines Teils des in Trier aulgefundenen römischen Mosaik- fussbodens, wie sie aus dem beiliegenden Werke, in welchem dieser Fussboden reproduciert ist, ersehen können. „Römische Mosaiken aus Trier und Umgegend von Domkapitular J. N. von Wilmowsky.“
Ich schliesse meinen Vortrag mit den Worten, welche der Vice- präsident des preussischen Landtages, Freiherr von Heereman in der