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Kleine Mitteilungen.
mit dem er die Messen und Miirkte bezog. Besonders günstige Erfolge in Braunschvveig, wo der „gelahrte Doktor die Heirat mit einer Person von dunkler Herkunft schloss“, brachten ihm den Titel eines „privilegirten Landarztes“ ein, und der Herzog von Lauenburg, der sich mit der Kunst Gold zu machen beschäftigte, stellte ihn als Goldmacher an. Jedenfalls hatte Eisenbart sich alchymistischer Kenntnisse gerühmt und seine Habsucht Hess ihn hoffen, den Fürsten bethören zu können. Er hatte sich aber verrechnet, denn nach kurzem vergeblichen Warten auf Goldgewinn Hess der grollende Fürst seine Schmelzofen, Schmelztiegel und Kolbengläser zertrümmern. Dem Schlimmsten zu entgehen, ergriff Eisenbart die Flucht und kam nach Dresden, wo ihm nach seiner und Pickelherings Behauptung „die grösste Kur des ganzen Jahrhunderts“ gelang. Eine von einem Poltergeist besessene Magd ward unaufhörlich von ihm verfolgt. Er sprach mit ihr, neckte sie und steckte am Küchenherd den Kopf durch ihre Arme. Vielfach angewandte Mittel zur Vertreibung des Geistes blieben erfolglos, bis Eisenbarts Mixturen das Wunder der Austreibung bewirkten. Wenistens erklärte die Magd, die entweder einen Scherz getrieben hatte oder nicht zurechnungsfähig war, von ihrem Peiniger befreit zu sein. Eisenbart beauftragte einen Maler zur Herstellung eines Bildes, das ihn und die Magd auf die Nachwelt brachte. Damals hatte er schon zweitausend Thalcr, eine für jene Zeit bedeutende Summe, „im Sacke“, und als sich sein Vermögen in Berlin, sowie in anderen Städten bedeutend vermehrt hatte, ward er Hausbesitzer in Magdeburg, gab aber die Praxis nicht auf. Frühzeitig von einer Krankheit befallen, gegen die seine eigenen Mittel nicht helfen wollten, stellte er seine Thätigkeit unter freiem Himmel allmälich ein. Der „weltberühmte Doktor“ liess sich auf seinen Reisen nur noch im Gasthofe sprechen und zu Münden an der Werra ereilte ihn der Tod 1727 mitten im Geschäft. Er starb plötzlich im Gasthof „Zum wilden Mann“; an der Aussenseite der Garnisonkirche ist sein Grabstein zu finden. Seine Frau setzte den Handel mit Liebestränken und Schönheitspflästerchen fort, doch Pickelherings Bemühen, das Geschäft des Meisters weiterzuführen, war vergeblich. Der Nimbus, der Eisenbarts Quacksalberei und Marktschreierei umgeben, schwand mit seinem Tode, und dass sein Name und seine Thaten trotzdem unvergessen geblieben sind, ist einzig dem allbekannten Volksund Studentenliede zu danken: „Ich bin der Doktor Eisenbart, kurir’ die Leut nach meiner Art“. K. N.-Str.
Nat.-Z. 24. Juli 1898.
Für die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Cüstriner Platz 9. — Die Einsender haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteilungen zu vertreten.
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