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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
Aber sei es min, dass die Träger dieser Idee darüber ins Grab gesunken sind, ohne grösseren Anhang gefunden zu haben, sei es, dass damals keine Mittel zu einer durchgreifenden Renovation vorhanden waren, kurz und gut, das Unternehmen ist im Sande verlaufen.
Zinna musste mit ansehen, wie in den 70er Jahren dieses Jahrhunderts wenigstens der Schluss des „Yaticinium Lehninense“: „priscaque Lehnini surgunt et tecta Chorini“,
„und die alten Dächer von Lehnin und Chorin erstehen wieder“ in Erfüllung ging, wie thatsächlich die alten Dächer Lehnins wiedererstanden und für den Ausbau der Klosterruine von Chorin durch den damaligen Kronprinzen Friedlich Wilhelm bedeutendere Mittel bewilligt wurden — doch Zinna blieb vergessen.
Um so erfreulicher ist es, dass es der jetzigen Gemeinde und ihrem Seelsorger, Herrn Pastor Walkhoff, gelungen ist, höhere Kreise dafür zu gewinnen. So konnte denn mit einem Kostenaufwande von über 20000 M., welche teils der Staat, teils die Provinz, teils die Gemeinde aufgebracht haben, das Werk der Pietät begonnen und zu Ende geführt werden Auch Se. Majestät hat durch ein ansehnliches Allerhöchstes Gnadengeschenk sein Interesse an der Wiederherstellung bekundet.
Die Renovation erfolgte unter Aufsicht des Geh. Regierungsrates von Tiedemann und unter Leitung des Kgl. Raurates Dittmar.
Am 2. April d. J. nun ist dieser Tag festlich begangen und die Einweihung der erneuerten Kirche durch den Generalsuperinteudenten Von Berlin, Kgl. Hof- und Domprediger D. Faber vollzogen worden. 2 ) Ihre Majestät die Kaiserin hat der Kirche eine mit Silber beschlagene Altarbibel und eine Kanzelbibel mit eigenhändiger Widmung zum Geschenk gemacht.
Mögen denn diese Zeilen dazu dienen, die Geschichte des Klosters, welches schon als das älteste unserer Mark eine grössere Beachtung verdiente, — zur Zeit seiner Gründung gehörte es zum Herzogtum Sachsen — weiteren Kreisen bekannt zu machen. Doch Zinna verdient noch ans anderen Gründen unsere volle Beachtung.
Ist Lehnin eins der edelsten spätromanischen Bauwerke, Chorin die schönste gotische Ruine, so nimmt Zinna den ersten Rang ein unter den Denkmälern des märkischen Granitquaderbaues. Sein gewaltiger, festgefügter Bau hat es davor bewahrt, zur Ruine zu werden.
Zinnas Mönche sind die Kulturbringer gewesen für die öden Sand- uml Sumpfflächen des Landes Jüterbog und des Barnim, wenn auch
*) Die Wiedereinweihung der Zinnaer Klosterkirche am 2. April 1898. Der evgl. Gemeinde Stadt (Kloster) Zinna gewidmet von ihrem Pfarrer Hermann Walkhoff. Jüterbog 1898. Die kleine Festschrift enthält die Weiherede des D. Faber und die Festpredigt des Pfarrers Walkhoff.