Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
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vielleicht nicht die Entdecker, so doch entschieden die ersten Verwerter der Rüdersdorfer Kalkbriiche und die Verfertiger des ältesten Druckwerkes unserer Mark, des Psalterium Mariae von 1493.
Lehnin und Chorin, landschaftlich reizvoller gelegen, in ihren Grüften die Gebeine fürstlicher Personen bergend und formvollendet gebaut, haben das älteste Kloster unserer Mark in den Hintergrund gedrängt. Zwar sind Zinnas Nachbarn nur dunkle Kiefernwälder und endlos sich ausdehnende Sandflächen, aber gerade deshalb ist es nicht aller Reize ledig. Am wirksamsten tritt uns der schwermütige Reiz dieser echt märkischen Landschaft entgegen, wenn wir Luckenwalde verlassen und in die dunklen Kiefernwaldungen eintreten, durch die uns die Zinnaer Chaussee führt. Schweigend liegen sie da in der Augustsonne, und wer um diese Zeit den Weg dahingewandert ist, kann dem Markwanderer Trinins nachfühlen, wenn er sie die „verschlafenen und gottverlassenen Kiefernwälder“ nennt. Doch jetzt, wo die Stürme des Herbstes über das flache Land Jüterbog dahinjagen, wird es auch in diesen Wäldern lebendig, und sie beleben sich mit allerlei Gestalten aus der märkischen Geschichte.
Wenn das schon welke Gras im Herbstwinde säuselt, so ist es, als vernähme man die verwehten Klänge vom Horas-Singen der Mönche vom Hohen Golm, und wenn die Kiefern ächzen und stöhnen, dann sieht man dämmernde Gestalten durch die Hallen des Waldes [gleiten, und ein kundiges Ohr hört sehr wohl das Ilohnlachen 1 Takes von Stülpe über seinen gelungenen Raub und das Angstgeschrei des in wilder Hast nach Luckenwalde davonjagenden Tetzel.
Nach einstiindiger Wanderung tritt man aus dem Walde heraus, und vor den Blicken des Beschauers liegt iu gemessener Entfernung, emporragend aus einsamen Feldern, den ehemaligen Mönchenlandeu, der gewaltige Bau der Klosterkirche von Zinna. Der Zahn der Zeit und die Stürme des Krieges haben dem festgefügten Bau äusserlich wenigstens nichts anhaben können, und so steht er noch da, wie vor 072 Jahren, ein Zeuge vergangener Tage.
Zinna ist eine Gründung der Cisterciensermönche, jener Pioniere für die Kultur der Mark, wie sie Fontane so treffend nennt. Die Cistercienser 3 ) zweigten sich von den Benediktinern ab, um den Orden in früherer Lauterkeit und Reinheit Wiedererstehen zu lassen. Der Eintritt Bernhards, des späteren Abtes von Clairvaux, in diesen Orden war von so grosser Bedeutung, dass sich vielfach nach ihm die Cistercienser Bernhardiner nennen, und dass wir iu vielen Klöstern — so auch in Zinna — neben der Statue oder dem Bilde des lüg. Benedikt das des big. Bernhard finden.
3 ) ygl. Winter, die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands. 3 Bde. Gotha. 1868-71.