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Friedrich Bacbschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
Strenge, Armut und Entsagung wieder einzuführen, das war die Absicht Roberts, des Abtes des Benediktinerklosters Moleme, als er sein Kloster wegen der daselbst ausgebrochenen Verderbtheit verliess und in die Einöde von Cistercium (Citeaux) zog. Aller Überfluss wurde daher entfernt; priesterliche Funktionen auszuüben, ausgenommen die priester- lieben Verrichtungen im Kloster selbst, l’arochialkirchen zu verwalten und Zehnte von anderen Leuten zu erheben, war ihnen untersagt. Auch die Ausstattung der Kirchen musste nur dürftig sein.
War Citeaux in einem wilden Waldthale gegründet, so mussten auch seine Töcliterklöster dem Beispiele folgen. Nicht in Städten, Burgen und Dörfern, so heisst es, sollten sie angelegt werden, sondern an Orten, die vom Treiben der Menschen entfernt liegen. 4 ) Auch die Gründer Zinnas folgten dieser Regel, indem sie das Kloster ungefähr *’ 4 Stunden von Jüterbog entfernt, auf einer Anhöhe inmitten damals noch sumpfiger Wiesen aulegten.
Citeaux war das Haupt des Ordens; ihm zur Seite standen die vier Töchterklöster: Firmitas (La Fertö), Pontiniacum (Pontigny), Clara- vallis (Clairvaux) und Morimundus (Morimond). Jedes dieser fünf Klöster steht an der Spitze einer Reihe von Gründungen, und alle Cistercienserklöster führen wiederum ihren Ursprung auf eins dieser fünf zurück. So leitet Zinna seinen Ursprung mittelbar auf Morimundus zurück und führt daher in seinem Wappen ein griechisches Kreuz, begleitet von den Buchstaben M. 0. IU S. (Morimundus), die andere wiederum, bezüglich der Gründung des Ordens durch Abt Robert, deuten wollen: „Memento Originis Roberti Sancti“.
An der Spitze des Klosters stand als oberster Leiter der Abt; er vertrat es weltlichen um! geistlichen Mächten gegenüber, beaufsichtigte den Gottesdienst der Mönche, weihte die Novizen und ernannte alle Beamten. Ganz unumschränkt war jedoch seine Stellung nicht, denn er war verpflichtet, sich vor dem Convent, der Mönchsbrüderschaft, zu verantworten. Er wohnte getrennt von den übrigen Klosterleuten, hatte sein eigenes Haus und seine eigene Küche und wurde mit „Ihr“ oder in der dritten Person angeredet, während alle übrigen sich des „Du“ bedienten. Um das Verhältnis der Zugehörigkeit zum Mutterkloster aufrecht zu erhalten und ihm seine Ehrfurcht zu bezeigen, musste der Abt es mindestens einmal im Jahre besuchen; während dieser Zeit vertrat ihn dann der Prior.
Zinnas Abte genossen ein grosses Ansehen; auf den Landtagen sitzen sie neben den Abteil von Lehnin und Chorin (vgl. Beiträge z. d. Regesten No. 67, 6h) und in vielen Urkunden werden sie als Zeugen
4 ) in civitatibus, castellis, villis nulla nostra construenda sunt coenobia, sed in locis a conversatione bominum remotis.