Heft 
(1898) 7
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Friedrich Backschat, Kloster Zinna hei Jüterbog.

keine einzelnen Zellen. Allein in der Kirche scheint man eine Ausnahme gemacht zu haben. Neben dem hohen Chore finden wir vier Kapellen, dem Querschifl' vorgelagert, die für diesubjektive Heiligung, wie Otte es nennt,' s ) also zur Privatandacht bestimmt waren. Ein Oistercienser- kloster war also ein coenobium ( xotvog (iiog) in des Wortes eigentlichster Bedeutung.

Lebten also die Mönche gemeinsam, so fanden sie auch nach dem Tode ihre gemeinsame Ruhestätte auf dem vom Kreuzgange umschlossenen Mönchskirchhofe. Ausgedehnt war die Totenfeier für einen gestorbenen Bruder.

Nachdem er vor dem Tode die letzte Ölung empfangen hatte, wurde, sobald er die Augen für immer geschlossen hatte, die im Kloster hängende Metalltafel stark angeschlagen und die Glocke geläutet. Auf dieses Zeichen mussten alle, auch die ausserhalb beschäftigten Mönche, ins Kloster kommen, denn es galt gemeinsam einem gestorbenen Bruder die letzte Ehre zu erweisen.

Aus dem Siechenhause wurde der Tote in die Kirche getragen, wo das Totenamt gefeiert wurde und mehrere Fratres bis zu seinem Begräbnis bei ihm Wache hielten. Kam nun der Tag, an welchem der Leichnam sollte der Erde übergeben werden, dann wurde er noch einmal mit Weihwasser besprengt, der Sarg geschlossen und in feierlicher Prozession unter Vorantritt des Abtes, in tiefem Schweigen durch den Kreuzgang auf den Mönchskirchhof gebracht. Hier wurde er (stehend?) eingesenkt, der Abt warf Erde auf ihn und dann kehrte man in die Kirche zurück, um für den dahingeschiedenen Bruder ein Requiem zu halten.

Folgende Geschichte möge zeigen, mit welch r Gewissen­

haftigkeit man darauf hielt, dass ein Mönch bei seinem Tode keine Verpflichtungen mehr gegen die Aussenwelt habe.

Ein Laienbruder aus Zinna musste auf einer im Aufträge des Abtes unternommenen Sendung über die Elbe setzen, und der Fährmann ver­langte von ihm das Fährgeld. Als er ihm sagte, er habe kein Geld zur Hand, verlangte dieser sein Cingulum oder sein Messer als Pfand. Aber der Laienbruder entgegnete:Dies kann ich nicht entbehren, und fügte hinzu:ich verspreche Euch mit meinem Orden, dass ich Euch einen halben Denar schicken werde. Dies Versprechen beruhigte den Fähr­mann und er liess ihn gehen. Weil das Versprochene jedoch eine so geringe Sache war, so achtete er es nach seiner Rückkehr für eine Kleinigkeit and schickte ihm nichts. Nicht lange darauf erkrankte er, und es schien allen, die zugegen waren, dass er sterben müsse. Er

*' Otte, Geschichte der deutschen Baukunst, Leipzig 1874. Otte giebt fälschlich in der an der Südwand des hohen Chores gelegenen Kapelle Tonnengewölbe an; sie enthält jedoch Kreuzgewölbe; ebenso Puttrich, Baudenkmale in Sachsen, Serie Jüterbog.