Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
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verfiel in einem traumartigen Zustand, und da schwebte seiner Seele der Denar, dessen er in der Beichte nicht Erwähnung gethan hatte, vor Augen und wurde so gross, dass er grösser als die Welt war. Er konnte um desswillen nicht sterben. Wieder zum Bewusstsein auf- gewacht, erzählte er allen zu grosser Verwunderung die Erscheinung. Der Abt schickte daher in aller Eile einen ganzen Denar an den Fährmann, und zu derselben Stunde, wo ihn dieser empfing, starb der Laienbruder.
Diese Geschichte, etwas wunderbar ausgesclmnickt, erzählt der Abt von Livland dem Cäsarius von Heisterbach (Dialog. XI, Kap. 55) und dieser bemerkt dazu: je mehr Ordensleute auf einen grösseren Lohn als die Weltleute hoft'en, um so gewissenhafter müssen sie darauf sehen, dass sie bei ihrem Tode nichts vom Erdenstaube mit sich nehmen. 7 )
Die Mannschaft aus den Klosterdörfern in den Krieg zu führen, die Ausübung der Polizei, Erb- und Peinlichen Gerichtsbarkeit lag in den Händen des Klostervogtes (advocatus). Hetfter s ) erwähnt ein Siegel mit der Umschrift: Sigillum advocati in Czenna. Es stellt den Gekreuzigten dar, den eine Person, wahrscheinlich der Vogt, anbetet. Zur Ausübung der Peinlichen Gerichtsbarkeit diente das Hochgericht auf dem sog. Galgenberg an der Jüterboger Grenze.
Der südlich von Jüterbog belegene Teil war schon durch die im Jahre 1160 gerufenen Kolonisten kolonisiert worden; dagegen blieb der nördliche Landstrich öde und unbebaut. Hier hatte die Gegend einen ganz anderen Charakter. Sandhöhen und weite, sumpfige Niederungen, von der Nuthe und ihren Nebengewässern gebildet, wechselten miteinander ab, und ein Wald, auf den Höhen aus Kiefern, in den Niederungen aus Laubholz bestehend, bedeckte fast das ganze Gebiet.
Hier war also die beste Gelegenheit für die Cistercienser, im grösseren Massstabe die Kultivierung des Landes zu betreiben, und zwar war dazu ein eigenes Kloster nötig. Was früher Kirchen und Burgen versucht hatten, das sollte jetzt die Vereinigung von Kirche und Burg, das Kloster. Und in der That, wie ein Mittelding zwischen Kirche und Burg, wie eine befestigte Missionsstation, erscheint uns das Kloster um die Mitte des XIV. Jahrhunderts.
Es war vollständig von einer Mauer im Viereck umgeben, die zwei Thore, eins auf der Ost-, das andere auf der Nordseite hatte. Das Hauptthor lag gegen Osten; es sah, wie eine handschriftliche Nachricht 9 )
’) Winter, Cistercienser, Bd. I., S. 193.
') Heffter, Urkundliche Chronik der alten Kreisstadt Jüterhock. Jtiterb. 1851. Seite 287.
’) Leider nicht näher bezeichnet; vgl. v. Ledebur's Archiv für die Geschichtskunde des Prss. Staates, Bd. NI S. 54—77: Einige Nachrichten von dem alt. ehemal, Cistercienser-Mönchskloster Zinna, v. Rödenbeck.