Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
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Allmählich erwuchs auch dem Kloster mit den brandenburgisclien Churfürsten nähere Bekanntschaft, und als dieser 1452 der Mönche Müldenstreitigkeiten mit Treuenbrietzen gut entschieden hatte (Reg. 58/59), sicherten sie ihm nicht allein 1454 ein Jahrgedächtnis für seinen Vater Friedrich I. zu, sondern nahmen ihn auch am 11. November 1454 und seine Familie in die Gemeinschaft ihrer guten Werke auf (Reg. 61).
1449 fand in Zinna eine Zusammenkunft des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg und des Erzbischofes von Magdeburg statt, in welcher ein neuer Vertrag über verschiedene Ansprüche und Gerechtsame auf einige Orte im Bistum und in der Mark, sowie über beider Länder Grenzen abgeschlossen wurde (Reg. 57).
Die Zeit von 1400—1447 ist wohl für Zinna die traurigste gewesen; dass es nicht einmal vermocht hat, sich gegen diese Übergriffe zu wehren, das liegt in dem Verfall der Sitten, in den das Kloster geraten war. Man kann ihm daraus allein keinen Vorwurf machen, denn der ganze Orden, so heisst es, sei, was Leben und Disziplin anbeträfe, leider sehr verfallen; man müsse deshalb die Klöster visitieren und eine durchgreifende Reformation vornehmen. Zum Reformator der Magdeburger Provinz wurde 1442 vom Generalkapitel der Abt von Zinna ernannt. 46 ) Auch im Nonnenkloster Glaucha sollten die- bestehenden Zustände reformiert werden. Dieses Kloster unterstand dem Abte von Zinna als Vaterabt und hatte einen Mönch von Zinna als Beichtvater. 47 ) Der Augustinerpropst Busch aus Neuwerk bei Halle, dem in Gemeinschaft mit dem Propst Paulus von St. Mauritius zu Halle von dem Kardinal Nikolaus von Cusa i. J. 1451 das Mandat geworden war, die Augustiner- Chorherren- und Chorfrauen Stifte der Kirchenprovinz Magdeburg und des sächsisch-thüringischen Teiles des Mainzer Sprengels zu visitieren, verdrängte in ganz eigenmächtiger Weise den Mönch vom Beichtstuhl der Cistercienser-Nonnen und setzte einige Augustiner-Chorherren als Beichtväter dorthin, non obstante confessore ordinis earum presente, wie Busch erzählt. Natürlich war der Abt von Zinna darüber sehr entrüstet, wies seinen Mönch an, sich nicht zu fügen und schrieb auch selbst an die Nonnen. Busch sagt zwar nur: abbas de Tynna male de me fuit contentus. Bald sollte eine Gelegenheit zur Aussprache kommen; alle Prälaten der Magdeburger Provinz wurden nämlich vom Kardinal
w t Winter, Cist. Bd. I. S. 337. deputat cap. gen. pro prov. .. . Magdeburgensi abbatem de Cenna.
n ) Johannes Busch, Chron. Windeshemense und Liber de reformatione monaste. riorum her. v. Dr. K. Grube, Halle 1886. pag. 569. Monasterium monialium ad sanctum Georgium prope Hallis — quomodo reformationem primo inceperunt . . . Monasterium monialium ordinis cisterciensis diocesis Magdeburgensis prope et extra oppidum Hallense exemptum est a jurisdietione ordinarii arcbiepiscopi Magdeburgensi, quia ordini suo incorporatum et a capitülo ipsius abbati de Tynna commissum, qui confessorem fratrem monasterii sui ibidem semper commanentem ordinäre solet.