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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
Nikolaus von Cusa nach Magdeburg zusammenberufen. * Hier trafen sich auch Busch und der Abt von Zinna, aber der Abt blieb „obstinat“ bei seiner Ansicht gegen Busch. Da schleuderte Busch, von Gotteseifer entflammt, dem Abt die Worte ins Gesicht: „Herr Abt! Wie ich höre wollt Ihr ihre Reformation hindern. Gott der Herr wird Euch nicht ungestraft von hinnen lassen.“ So gingen sie ohne Einigung auseinander. Den Abt ereilte aber schnell die Strafe; noch innerhalb der Thore Magdeburgs erkrankte er und starb, ohne sein Kloster wiedergesehen zu haben. 4 * 1 ) (!?) Wie dem auch sei, soviel ist gewiss, die Augustiner- Chorherren blieben und der Abt von Zinna musste erkennen, dass er gegen Büschs eigenmächtiges Treiben ohnmächtig war.
Schon lange hatten Zinnas Mönche aufgehört, geistlich zu sein; die Religion diente ihnen nur noch als Mittel, mit ihr, wie mit einem Handwerk, Geld zu verdienen; sie waren, wie der Pfarrer Dionysius in seinem „über quodlibeticus“ sagt, „faule Bäuche“ geworden, die, vereint mit dem Weltmenschen aus dem hohen Stande, nur darauf sannen, den Fleiss der untergeordneten und unterdrückten Stände zur Befriedigung ihrer Sinnenlust und den üppigsten Sclwelgereien auszubeuten. Und in nicht geringem Masse trug dazu die vom Abt auf dem Golmberge errichtete Wallfahrtskapelle' bei.
Östlich von Zinna, einige Stunden von ihm entfernt, wurde sie auf der Höhe des Golm unter knorrigen, uralten Eichen i. J. 1435 gestiftet, der gebenedeiten Jungfrau Maria geweiht, 1437 auf dem Concil zu Basel bestätigt und am 23. Sept. 1439 dem Kloster vom Erzbischof Günther förmlich übergeben und incorporiert.
Natürlich mussten auf dem Berge Mönche und andere Klosterleute wohnen, um den heiligen Dienst zu verrichten, den Ablass zu verkünden und die Spenden der Gläubigen in Empfang zu nehmen, die nicht in die allgemeine Klosterkasse flössen, sondern nach Abzug des Zehnten für Rom, vom Abt für sich in Anspruch genommen wurden, damit er mit diesem „Tafelgut“ seinen Tisch verbesserte.
Zahlreiche Wallfahrten wurden aus den umliegenden Ortschaften nach dem Hohen Golm unternommen und man opferte reichlich. An
u ) Busch, a. a. O. lib II, cap. 8. 8. 575 f. „audivi per annum earum Confessiones, et quando id mihi non vacabit, tune aliquem de fratribus meis ibidem misi ad audien- das earum Confessiones non obstante confessore ordinis earum presente. — abbas de Tynna male de me fnit contentus — in sua sententia contra nos obstinatus per- mansit. — Tune zelo dei commotus respondi: „domine abbas 1 Ut audio vos reformati- onem earum vultis impedire. Dominus deus non dimittet vos impunitum.“ Et ita frustrato nostro desiderio recessimus ab eo. Abbas iste antequam de civitate Magde- burgensi discessit, in gravem incidit infirmitatem, et antequam ad proprium monaste* rium perveniret, mortuus diem clausit extremum. Reformationem ergo earum nec ipse nec sui amplius impedierunt.