Heft 
(1898) 7
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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jflterbog.

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Marien- und Johannistagen ward in dieser luftigen Höhe zugleich Jahrmarkt gehalten, der den schon bedeutenden Zulauf noch vermehrte.

Noch im Jahre 1502 erteilte Papst Alexander VI. dieser Kapelle Ablass und am Wege zwischen Dahme und Rosenthal wurde eine steinerne Zelle oder Klause erltaut zu einer Nachtherberge für die Golm- Wallfahrer. War die Messe vorbei, dann nahmen die Jahrmärkte ihren Anfang, die von allerhand Lustbarkeiten und Vergnügungen begleitet waren. Besonders belustigten sich diefratres cucullati, dieverkappten Brüder, wie sie Dionysius nennt, an den wüstesten Orgien, bis einst während eines furchtbaren Gewitters ein Blitzstrahl dicht neben den Füssen des eines kahlköpfigen Tänzers niederfuhr, jedoch ohne ihn zu verletzen. Von da ab unterblieb der ganze Unfug.

Anno 1568 war die Kapelle bereits ganz verfallen; Hake von Stülpe erhielt die Erlaubnis, mit den Resten die Kirche von Stülpe auszubessern. Die in der Kirche befindlichen beiden reich vergoldeten Altarbilder, der Taufengel und die Glocke mit der Inschrift:hilf got und maria a° dm 1498 sollen aus der alten Golmkapelle stammen.

Um diese Stätte hat nun die Sage ihren Schleier gewoben. In dem

Bei ge liegt, wie sich die Leute eizählen, ein Schatz, der in einer grossen, silbernen Wiege bestehen soll oder in einer aus feinstem Golde gefertigten Bildsäule eines Mönches. Andere wissen nur von grossen Massen Goldes

und Silbers zu erzählen. Die Vertiefung, die in die Schatzhöhle hinein­

führt, ist unweit der Trümmer der Kapelle sichtbar, und noch oft sieht man an dieser Stelle einen Hund mit feurigen Augen liegen, der den Schatz bewacht. Niemand hat jedoch bis jetzt den Schatz zu heben vermocht. 4)

Wie diese Geschichte von dem Treiben der Mönche auf dem Hohen- Golm uns den Verfall des Klosterwesens vor Augen führt, so diene nachfolgende zur Charakterisierung des Rechtsgefühls der damaligen Zeit. Sie wird uns mitgeteilt in dem Microcronicon Marchicum 50 ) von Petrus Ilafftitius, Rektor beider Schulen zu Berlin und Cölln, der in Jüterbog geboren wurde und seine Bildung auf der Klosterschule zu Zinna erhielt. Hafftiz erzählt:

Als Ao 1538, Freitags vor Pfingsten, 2 Schneidergesellen für das Kloster gerädert worden, welche zu Jänickendorff in eines Bauern

*) A. Kuhn, Märkische Sagen und Märchen. Berlin, 1843. S. 9098.

w ) vgl. Forschungen zur Deutsch. Gesch. Bd. 17. S. 521 ff.: Die Märkische Chronik des Engelbert Wusterwitz in der Überlieferung des Andreas Angelus und Peter Hafftiz und Bd. 18 S. 392. Zur Kritik von Peter Hafftizs Microchronologicon, von Heidemann. Im wesentlichen ist diese Arbeit des Hafftiz nur eine Wiedergabe der Annales des Angelus, der uns wiederum die Chronik des Engelbert Wusterwitz überliefert hat. Von letzterer sagt Ranke (Genesis des Prss. Staates I, 67):Das beste Stück über Märkische Geschichte alter Zeit, das überhaupt vorhanden ist, wiewohl nicht urkundlich..