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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
Scheune, darin sie genächtigt, dieweil sie aus Furcht sonst niemand beherbergen wollen, gefangen, hat Kolhase bald in derselben Nacht die Räder umbhauen und die Räder den Berg hinab gegen den Busch lauffen, die Körper aber hinweggeführt und mit 2 Huf Nägeln auf einem Zettel dies geschrieben und an einem Galgenstiel auf dem Pferde sitzend angenagelt: „0 filii hominum, si vultis judicare, recte judicate, ne judi- cemini,“ welchen Zettel wir am Pfingstabend, als wir mit unseren Prä- ceptoribus, dem alten Gebrauch nach, haben wollen Meyen holen, gefunden, herabgenommen und ich hab’ ihn selbst ins Kloster getragen und dem Abte überantwortet, denn es war damals der gar böse Gebrauch im Kloster, wenn eines daselbst gerechtfertigt wurde, so musste in allen Dörfern, zum Kloster gehörig, jeder Hüfner 1 gr. und ein Kossät 6 pf. geben, welches eine grosse Summe betrug. Das Geld bekam der Klostervogt „und wohl solches Geldes willen, habe ich manche daselbst stehen sehen, den viel zu kurz geschah“ (!), jetzt ist er aber ganz abgeschatft.“ 51 )
Von den schweren Wunden, die die Raubzüge der Quitzows dem Kloster geschlagen hatten, erholte es sicli bald wieder und stieg sogar zu einer Höhe empor, die es früher nicht erreicht hatte. Diese Zeit des Glücks verdankt Zinna seinem tüchtigen Abte Nikolaus, der sich viel am Hofe des Kurfürsten Joachim von Brandenburg auf hielt. Er baute wahrscheinlich den Abtshof zu Jüterbog, liess die 3 Glocken im Turm der Klosterkirche giessen und errichtete eine Druckerei im Kloster, aus der das älteste Druckwerk der Mark, 5a ) (der Otto von Passau, biblische Historien, Berlini 1484, ist nach Harlem zu verweisen), hervorging.
Dieses älteste Buch der Mark ist das mit vielen Holzschnitten gezierte Psalterium Mariae, der Marienpsalter, nach dem Jahre 1492 zu Zinna gedruckt. Ob die Stöcke zu den Holzschnitten in Zinna angefertigt sind, ist zweifelhaft; nach Friedlaenders Ansicht sind sie wahrscheinlich in Frankfurt a. O. hergestellt. In der Königl. Bibliothek zu
“) Diese Geschichte liefert übrigens noch einen Beitrag zur Charakteristik Kohlhases. Die beiden wandernden Schneidergesellen wurden nämlich der Gemeinschaft mit dem Rosshändler angeklagt und dem Galgen überantwortet, obwohl sie ihre Unschuld beteuerten. Auf dieses Verfahren beziehen sich daher die Worte des in seinem Rechtsgefühl verletzten Kolhase „o filii hominum . . .“ Die Körper der Gerichteten packte er in einen Kasten, den er in der Jüterboger Vorstadt kaufte, mit „etlichen Schreiben an den Churfürsten zu Sachsen“ und stellte denselben in dem Hause eines vornehmen Bürgers in Wittenberg ein; da es aber nach einigen Tagen begann „im Hause übel zu stinken“, so wurde der Kasten gerichtlich geöffnet, die Körper begraben und das Schreiben dem Kurfürsten von Sachsen zugeschickt. (Breslauer Abschrift des Hafftiz.)
"> vgl. v. Ledeburs Archiv, Bd. IX. S. 193—226: Beiträge zur Geschichte der Buchdruckerkunst in der Mark Brandenburg. — Das Psalterium Mariae, Druckwerk des Klosters Zinna. Von Dr. G. Friedländer, Custos der Kgl. Bibliothek.