16. (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.
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vortrefflichen Abbildungen geschmückt hat, dass sie für ähnliche Darstellungen in der Brandenburgs vorbildlich sein können.
Unser Ehrenmitglied, Herr Geheimrat Dr. Wilhelm Schwartz, welcher leider heut behindei't ist, hat sich in gleichem Sinne ausgesprochen und fordert namentlich auch zur Sammlung der Volkstrachten im Bereich der Provinz Brandenburg und der Altmark auf, indem er mit Recht hervorhebt, dass man bei heimatlichen Volkstrachten bei uns fast immer nur an den Spreewald, der doch eine slavische Bevölkerung habe, denke, als ob in der deutschen Bevölkerung unserer Heimat sich nichts an Volkstrachten mehr erhalten habe.
W as diese beiden Gebiete, die Altmark und die Provinz Brandenburg, betrifft, so besitzt das Volkstrachten-Museum aus dem auch sonst durch altertümliche Züge ausgezeichneten Teil der Altmark, welcher der Drömling genannt Avird, 76 Nummern, darunter aber nur einen vollständigen Anzug einer Bäuerin, vermittelt durch Dr. Schörnig in Oebisfelde. Aus der Provinz Brandenburg besitzt das Volkstrachten- Museum 621 Nummern, darunter eine Menge von Flügelhauben mit prächtigen Perlstickereien vom hohen Fläming. An vollständigen Anzügen ist vorhanden der Anzug eines Brautbitters „aus der Niederlausitz“, sodann der einer alten Frau aus Lehde im Spreewald, desgl. einer jungen Frau ebendaher, desgl. einer „Bürgerbraut“, desgl. eines Bürgermädcheiis, desgl. die Abendmahlstracht einer Städterin. — Anzug einer katholischen Wendin aus Wittigenau. — Ausserhalb der Wendei: Anzug einer Frau aus Neu-Hardenberg, desgl. einer Braut von dort, desgl. eines Mannes aus Quilitz, Festtracht eines Rohrbecker Mädchens und der Anzug einer Braut aus Ziebingen.
Das Märkische Museum besitzt eigentliche Volkstrachtenstücke aus dem genannten Neu-IIardenberg im Oderbruch, aus Ziebingen, Kreis West-Sternberg, und a\is dem Spreewald. Sonst sind noch einzelne Kleidungsstücke vorhanden.
Das Interesse an dem Gegenstände Avurde sofort des Weiteren be- thätigt, indem Frau Rentier Burkhardt, geh. Frederich eine Anzahl ländlicher Kleidungsstücke als Geschenk überreichte, welche ihre Urgrossmutter, Frau Frederich, um 1790 in dem Dorfe Lichtenberg hei Berlin getragen, eine Gabe, welche um so schätzenswerter erscheint, als Volkstrachtenstücke aus den Vororten Berlins sich kaum erhalten zu haben scheinen. Vergl. S. 470.
Der Vortragende legt im Anschluss hieran vor den gedruckten „Führer durch die historische und Volkstrachten-Ausstellung im Borsigschen Palais, Wilhelm- und Vossstrassen-Ecke, und empfiehlt den Besuch dieser originellen und lehrhaften unter Protektorat der Frau Erbprinzessin Pauline zu Wied stattfindenden Ausstellung von Puppen im Nationalkostüm angelegentlich. Leider ist auch hier unsere
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