Heft 
(1898) 7
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16 . (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.

Heimat nur durch den Spreewald vertreten, wiederum ein Beweis, dass man in den weitesten Kreisen hei uns zur Zeit noch nichts von eigentlichen brandenburgischen Volkstrachten kennt und dass es hohe Zeit ist, die mitgeteilte Ermahnung unseres Wilhelm Schwartz zu be­herzigen. Das von letzterem Herrn mitgeteilte ältere Prachtwerk Deutsche Volkstrachten. Originalzeichnungen mit erklären­dem Text. Zweite Ausgabe von dem leider unlängst verstorbenen Maler und Professor am Kgl. Hoftheater zu Berlin, Albert Kretschmer, wurde gebührend bewundert; nicht minderen Beifall ernteten Martins Thüringer Trachten-Postkarten von O. Herrfurth und R. Starcke mit Text von A. Trinius (37 Stück) und Gustav Erdmanns 10 Postkarten mit Volkstrachten aus den 8 Provinzen des König­reichs Bayern, welche Herr E. Friedei in Umlauf setzte.

5.Brandenburgische Volkskunde. Herr E. Friedei regt im Aufträge und in Übereinstimmung mit Herrn Geheimrat Dr. W. Schwartz an, dass die Brandenburgia mit vereinten Kräften ihrer Mitglieder an die Herstellung eines mit Abbildungen zu unterstützenden im besten Sinne volkstümlichen Werkes betiteltBrandenburgische Volkskunde gehen solle, in welche Herr Schwartz mit Recht auch eine Sammlung der Volksdialekte, ein märkisches Idiotikum aufgenommen wünscht.

Es sind in letzter Zeit, so führt der Vortrsgende aus, zwei hervor­ragende, auch für uns nach mancher Richtung hin vorbildliche Werke erschienen, welche vorgelegt werden: Elard Hugo Meyer:Deutsche Volkskunde. Mit 17 Abbildungen und 1 Karte. Strassburg 1898 und Richard Andree:Braunschweiger Volkskunde mit b Tafeln und 80 Abbildungen. Braunschweig 1896. Während das erstere Werk die allgemeinen Prinzipien einer Volkskunde erörtert unter gleichzeitiger Aufstellung eines Systems, verhält das Andreesclie Buch sich über eiu ziemlich abgerundetes Gebiet des niederdeutschen Volksstammes. So einfach, wie im Herzogtum Braunschweig, liegen die Verhältnisse in Brandenburg nicht, im Gegenteil ist bei der reichen politischen, ge­schichtlichen und ethnologischen Gliederung der Centralprovinz Preussens deren Volkskunde schwieriger zu erfassen und darzustellen, als diejenige aller übrigen deutschen Landschaften; es verhält sich in in Brandenburg also die Volkskunde genau wie die Ur- und Vorgeschichte unseres Pro­vinzialgebietes, welche wegen ihrer grossen Mannigfaltigkeit noch immer nicht in einem alle Gauen unserer Provinz umfassenden und erschöpfenden Werke hat zur Darstellung gebracht werden können.

Einer einzelnen Kraft wird eine vollständige brandenburgische Volkskunde schwerlich gelingen. Es wird hierbei vielmehr ein Aus­schuss von Mitgliedern und Freunden der Brandenburgiaviribus unitis zusammen raten und thaten müssen; an schönen Vorarbeiten, z. B. aus der