Heft 
(1898) 7
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16. (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.

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Feder unseres Mitgliedes Herrn Robert Mielke fehlt es ja glücklicher Weise nicht. Jedenfalls würden wir einen für alle Zeiten dankenswerten Erfolg für die Brandenburgia zu verzeichnen haben, wenn der Anfang des 20. Jahrhunderts auch mindestens mit dem Anfang der Branden- burgischen Volkskunde zusammenfiele.

Im kleineren Kreise von Freunden der Sache soll zunächst der Versuch gemacht werden, den Stoff des Werkes abzugrenzen und zu gliedern. Hoffentlich ist der Vorstand in der Lage, schon in einer der nächsten Sitzungen etwas Weiteres über die Sache der Gesellschaft mit- teilen zu können.

(). Herr Custos Buch holz: Eine Abhandlung des Superintendent Kleinwächter in Posen üser die Inschrift auf den Messing-Tauf- sclnisseln bietet Anlass, auf den an dieser Stelle schon vor 5 Jahren mehrfach besprochenen Gegenstand zurückzukommen.

Aus dem Märkischen Museum war damals eine ganze Reihe dieser Schüsseln, 25 an der Zahl, ausgestellt worden, von denen ich heute nur zwei als typische Exemplare vorzeige.

Als Hauptornament war am meisten der Sündenfall und die Ver­kündigung vertreten; vereinzelt kam noch vor: Josua und Kaleb mit der Weintraube, die Erschaffung Evas, Georg, den Drachen tötend, eine symbolische Darstellung in Gestalt eines nackten Weibes neben dem Schalksnarren, ein Doppeladler und Rosetten von Fischblasen- und an­deren Mustern in spätgotischer Auffassung. Um dieses Hauptbild ziehen sich in der Regel zwei Kreise mit Buchstabenornament, und zwar der innere mit gotischen Minuskeln, der äussere mit lateinischen Majuskeln.

Diese Schüsseln sind seit Jahrhunderten im kirchlichen Gebrauch vorgefunden worden, und zwar als Taufschalen. Doch kann als fest­stehend angesehen werden, dass sie zuerst gegen Ende des 15. Jahr­hunderts von Nürnberger Beckenschlägern als Prunkschüsseln für den profanen Gebrauch gefertigt und dass sie dann, nach Einführung der Reformation, gelegentlich in die Kirchen gestiftet wurden. Der Um­stand, dass auf ihnen hauptsächlich Momente der biblischen Geschichte dargestellt wurden, darf dabei nicht auffallen, denn die Kunst bewegte sich damals hauptsächlich in derartigen Motiven.

Rätselhaft blieb aber immer die Inschrift, die man schliesslich, nachdem die von mehr als 20 Forschern angestellten verschiedenen Lösungsversuche sich als unhaltbar erwiesen hatten, lediglich als Buch­stabenornament ansehen musste.

Herr Superintendent Kleinwächter, der im vorigen Jahre im Mär­kischen Museum auch diese Schüsseln studierte, hat nun an der Hand der in Posener Kirchen befindlichen Schüsseln eine Lösung der gotischen Inschrift gefunden, die als zutreffend anerkannt werden muss.