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16. (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.
Die Inschrift kommt fast nur in zwei Variationen vor; es sind entweder Gruppen von 9 oder von 7 Buchstaben. Die erstere Gruppe hält Herr Kleinwächter mit Recht für die ursprüngliche, die mit 7 Buchstaben sei aus ihr erst entstanden, nachdem der erste und der letzte oder die beiden letzten Buchstaben in den Stempeln unitrauchbar geworden waren. Die Siebener Gruppe ist also eine Verstümmelung, und da die früheren Lösimgsversuche sich meistens auf diese,' häuliger vorkommende Gruppe stützten, so mussten sie zu wunderlichen oder gar keinen Ergebnissen führen.
Geht man dagegen von der NeunerGruppe aus, so erscheint die Lösung sehr einfach und einleuchtend. Herr Kleinwächter verfolgte einen richtigen Weg, indem er zunächst die von einzelnen Buchstaben ausgehenden Häkchen als Abkürzungszeichen ansah. Daraus ergab sich, dass der erste, der zweite und der letzte Buchstabe je ein ganzes Wort bedeutete, ferner der" dritte bis sechste ein Wort und der siebente und achte ein Wort. Die Inschrift besteht also aus fünf Wörtern. Eine weitere Schwierigkeit bestand nun in der Erkennung der mehr oder weniger verzerrten Minuskeln. Herr Kleinwächter erklärt den ersten Buchstaben für ein N, den zweiten für das griechische x, den dritten für b, den vierten für e, den fünften für n, den sechsten für e, den siebenten für i, den achten für n, den neunten für e. Daraus ergiebt sich die in der ganzen christlichen Welt gebräuchliche Legende: „Nonien Christi bene- dictum in eternum“.
Diese Lösung erscheint einwandfrei, und es bleibt nun noch der äussere Buchstabenkreis (lateinische Majuskeln) zu deuten, was Herrn Kleinwächter hoffentlich auch gelingen dürfte.
7. Das in jetziger Zeit erhöhte Interesse für ältere Volkstrachten hat Frau Fredericli in Lichtenberg bei Berlin veranlasst, einige noch von ihrer Grossmutter, der Gutsbesitzerin Frau Albrecht in Lichtenberg, aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts herrührende Trachtenstücke durch Herrn Burkhardt zu stiften. Es sind 5 Frauenkappen (2 weisse, 2 schwarze und 1 silberne), eine seidene Kurztaille und eine Schürze aus Herrnhuter Leinen, die sämtlich die Mode jener Zeit zu illustrieren geeignet sind.
8. Geschichtlich-Medizinisches und -Chirurgisches aus Brandenburg-Preussen von Dr. E. Gurlt, Geh. Med.-Rat, Professor*).
Als um die Mitte des 13. Jahrhunderts die bis dahin wendischen Dörfer Berlin und Kölln als unbedeutende deutsche, damals noch getrennte Städte aus dem Dunkel des Mittelalters auftauchten, befanden sich die Wissenschaften daselbst, wie im ganzen Norden Europas, noch
•) Vortrag gehalten am 14. Dezember 1898 in der „Brandenburgia“, Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg in Berlin.