Heft 
(1898) 7
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Geschichtl.-Medizinisches u. Chirurgisches aus Brandenb.-Preussen.

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der Anfertigung gewisser Pflaster, Salben und Wundtränke. Im übrigen ist zu bemerken, dass aus dem Stande der Barbiere, die namentlich in der Chirurgie mehr oder weniger unterrichtet waren, in allen Ländern unter besonders günstigen Verhältnissen manche berühmte Wundärzte hervorgegangen sind.

Eine zweite Klasse von Heilpersonal, das vielfach mit den Bar­bieren rivalisierte, bildeten die Bader, die Inhaber der zahlreichen Bade­stuben, die in Deutschland bereits im frühen Mittelalter erwähnt werden. Dieselben beschäftigten sich, ausser der Verabreichung von Wasserbädern, später auch von Dampf- und Schwitzbädern, mit Haarschneiden, Rasieren, Bartstutzen, sowie mit Aderlässen und Schröpfen, und gerieten dadurch häufig mit den Barbieren in Hader. Jedoch hörte mit dem Anfänge des Ki. Jahrhunderts der Besuch der ßadestuben aus verschiedenen Gründen mehr und mehr auf und das Baderhandwerk ging teils ein, teils wurde es mit dem der Barbiere vereinigt und es bestand für beide von der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an nur eine Zunft.

Ausser diesen allgemein anerkannten Korporationen und den ihre Kunst ebenfalls mit obrigkeitlicher Erlaubnis ausübenden Staarstechern, Bruch- und Steinschneidern, den auf den Jahrmärkten herumziehenden sogenanntenSchreiern, Marktschreiern oder Landfahrern, zu denen auch dieZahnbrecher gehörten, wenigen Ärztinnen und den Hebammen, gab es und giebt es bis in unsere Zeit, wie bekannt, eine Reihe von Kurpfuschern, die sich mit der Behandlung sowohl innerlicher wie äusser- licher Leiden beschäftigen und sich vorzugsweise aus dem Stande der Scharfrichter, Schäfer und alten Frauen rekrutieren und zu denen in alten Zeiten noch die Theriakkrämer kamen.

Verhältnismässig spät erhielt Berlin eine Apotheke, denn das erste, dem Meister Hans Zehender vom Magistrat verliehene Privi­legium zur Errichtung einer solchen ist von I486*), während die vor dieser Zeit in Berlin erwähnten Apotheken wahrscheinlich nur Spezerei­läden waren, wie noch heutigen Tages in Ostpreussen solche Läden auch Apotheke genannt werden.

Nach Schilderung der allgemeinen, das Heilpersonal in Norddeutsch­land betreffenden Verhältnisse, wären einige namentlich auf Berlin be­zügliche Spezialitäten anzuführen, allein es fehlt für die frühen Zeiten vor dem 15. und 16. Jahrhundert beinahe gänzlich an Nachrichten dar­über. Dass an geschickten und erfahrenen Ärzten und Wundärzten damals im Norden von Deutschland kein Überfluss war, beweist z. B. der Umstand, dass die 5 Herzoge von Mecklenburg weder einen Arzt noch einen Wundarzt hatten und dass der askanische Markgraf Otto IV genannt mit dem Pfeil, nachdem er bei der Belagerung von Stassfurt

') Ebenda S. S79.