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16. (6. ordentl.) Versammlung des VII. Vereinsjahres.
1279 am Kopfe durch einen Pfeil verwundet worden war, die Pfeilspitze ein ganzes Jahr in seinem Kopfe stecken Hess, bis sie von selbst herausfiel. Dergleichen Fälle, in denen man einen Pfeil sowohl im Kopfe als in anderen Körperteilen 4 bis 10 und mehr Jahre stecken Hess, weil selbst verwundete Fürsten und Heerführer sich lieber dem Schicksal als ungeschickten Händen überliessen, werden von den Geschichtsschreibern mehrfach erwähnt *).
Man hätte glauben sollen, dass, nachdem seit dem Anfänge des 15. Jahrhunderts die Kurfürsten von Brandenburg begonnen hatten, auch in Berlin zu residieren, durch deren zum Teil im Auslande gebildete Leibärzte die ärztlichen Zustände in Berlin sich wesentlich gebessert haben müssten, allein dies war nur in geringem Grade der Fall, weil jene oft abwesend waren, um den Herrscher auf Reisen oder Kriegszügen zu begleiten, oder überhaupt nicht ihren dauernden Wohnsitz in Berlin hatten. Von viel grösserer Bedeutung aber war die auch in Mittel-Europa und besonders in Deutschland und dessen Nachbarschaft im 14. Jahrhundert begonnene Gründung von Universitäten, anfangend mit Prag 1348, Erfurt 1380, Leipzig 1400, Rostock 1410, Greifswald 1486, Wittenberg 1502, Frankfurt a. O. 1506 u. s. w., durch welche zum Studium der Medizin im Lande selbst Gelegenheit gegeben war. Freilich müssen wir hervorheben, dass das medizinische Studium in jenen Zeiten nur ein rein theoretisches war, bestehend in dem Yorlesen und Erklären der klassischen Schriften des Altertums und Mittelalters; von einer Unterweisung am Krankenbett war erst in späterer Zeit und in sehr beschränktem Umfange die Rede, da solche Institute, die wir Kliniken nennen, erst Jahrhunderte später errichtet wurden. Mit der Chirurgie, namentlich der operativen, sah es nicht minder dürftig aus, weil eine wesentliche Grundlage derselben, die Anatomie, nur in sehr beschränkter und ungenügender Weise betrieben werden konnte. Gleichwohl vermehrte sich die Zahl der auf Universitäten gebildeten Ärzte um ein Erhebliches und finden wir nunmehr in den Städten auch beamtete Arzte, die als Stadtärzte oder Physici angestellt waren. In Berlin, das später als andere märkische Städte einen Stadtphysikus erhielt, war der erste, nach 1552, der Dr. Matthaeus Fleck (Flaccus). Zu bemerken ist, dass die mit der Behandlung innerlicher Kranken sich beschäftigenden Ärzte damals als „Leibärzte“, die Chirurgie treibenden aber als „Schneidärzte“ bezeichnet wurden.
Für Berlin ist die erste bekannte Urkunde, welche die „vorsichtigen Meister des Barbierer- und Wundärzten-Handwerks“ betrifft, ein ihnen vom Magistrat zu Berlin und Cölln 1526 gegebener „Bekräftigungsbrief“, der ihnen Schutz gegen die Winkelärzte verspricht und 1530 vom Kurfürsten Joachim II. bestätigt wurde. Der älteste „Confirmationsbrief“
*) Ebenda S. 306.