Geschichtl.-Medizinisches u. Chirurgisches aus Brandenb.-Preussen.
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der Bader ist vom Jahre 1564*), jedoch war dem kurfürstlichen Leibbarbier und dem ersten Badermeister der Stadt das besondere Recht Vorbehalten, bei frischen Wunden den ersten Verband anzulegen. Irgend welche bedeutendere Operationen scheinen übrigens die märkischen Barbier- Chirurgen nicht ausgeführt, sondern dieselben, namentlich den Bruch- und Steinschnitt, den herumziehenden Operateurs oder Landfahrern überlassen zu haben. Nicht nur das niedere Volk, sondern auch angesehene Personen waren genötigt, die Hilfe dieses letzteren Heilpersonals bei chirurgischen Dingen in Anspruch zu nehmen, wie das Beispiel des einer der mächtigsten Ritterfamilien angehörigen Johann von Quitzow auf Schloss Plaue beweist, der wegen eines Lanzenstiches, den er in ein Auge erhalten hatte, einen solchen Ileilkünster, welcher auf dem Jahrmärkte des benachbarten Brandenburg sein Gerüst aufgeschlagen hatte, auf sein Schloss entbot, dessen Besuch aber erst nach mehreren Tagen erlangen konnte**).
Unter den kurfürstlichen Leibärzten des 15. und 16. Jahrhunderts, die zum Teil Professoren der Frankfurter Universität waren, führen wir nur einen an, nämlich den so sehr verschiedenartig beurteilten Astrologen und Alchimisten Leonhard Thurneisser zum Thurn***), der, ursprünglich Chemiker und Montanist, im Laufe der Zeiten sich auch medizinische Kenntnisse erworben hatte, die er gehörig auszunutzen verstand. Er war von 1571—84 Leibarzt des Kurfürsten Johann Georg und hatte in den weiten Räumen des ihm überwiesenen Franziskaneroder Grauen Klosters ein grosses Laboratorium und mancherlei anderes, darunter eine grossartige Buchdruckerei, eingerichtet. Die Mark Brandenburg hat ihm ausserdem eine ganze Reihe chemischer Industrien, wie Alaun werke, Salpetersiedereien und eine Verbesserung der Glasfabrikation zu danken. Unter dem genannten Kurfürsten fand auch die Errichtung einer Kommission zur Revision der Apotheken, die wenigstens einmal jährlich erfolgen sollte, statt und wurde 1574 eine Apothekertaxe eingeführt f).
Werfen wir jetzt einen Blick auf das Feld-Sanitätswesen, das im 16. Jahrhundert bei den deutschen Landsknechtsheeren ff) sich bereits in einem ziemlich geordneten Zustande befand. Es sei daran erinnert,
*) Ebenda S. 309. — **)Nevermann in v. Walther's und v. Ammon s Journal
der Chirurgie. Bd. 37. 1847. S. 90.
***) J. C. W. Moehsen. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten an bis zu Ende des 16. Jahrhunderts. Berlin und Leipzig, 1783. 4° S. 55 ff. — A. W. Hof mann, Berliner Alchemisten und Chemiker. Eitckblick auf die Entwickelung der chemischen Wissenschaft in der Mark. Eede u. s. w. Berlin 1882. S. 16 ff.
f) Moehsen, Beschreibung a. a. 0. S. 544.
ff) Leonhart Fronspergar, Von Kayserlichen Kriegsrechten u. s. w. Frankfurt a. M. 1565, fol., Buch III, fol. 77 b.