Der Grabfund von Seddin als Schlüssel zum Verständnis der Sprache Europas. 105
ohrentziindung, wo man zu einem schmerzhaften Mikrophon werden kann, verursachte mir (Herbst 1895) empfindliche Schmerzen. Die Flammenzunge, das „Lys“, aber kann singen und kann auch zur Tyndalschen Vokalflamme werden.
Jetzt vergegenwärtigen wir uns die Lage wieder, in der unsere Vorfahren den Unbillen der beginnenden ersten Eiszeit preisgegeben waren. Sie liegen umgeben von ihrem warmen Dunghaufen und haben eine wohltuende Wärmeempfindung, wie man sich die Situation aus den Abbildungen im Globus oder aus Iloernes Urgeschichte des Menschen (Wien 1892) oder Cartailhac: la France prähistorirjne (Paris 1896) usw. ganz nach der Wirklichkeit vorstellen kann.
Nun beginnt die steigende Erhitzung des Dunghaufens mit übelriechendem Dampf und wirklicher Rauchentwicklung. Mochte man sich an den atembeklemmenden Rauch gewöhnt haben, an die blasenziehende Hitze konnte man sich nicht gewöhnen. Man mußte in die Kälte flüchten und konnte sich erst dann wieder an dem brennenden Haufen erwärmen — aber immer nur auf einer Seite.
Das mußte stets als ein Übelstand empfunden werden, vor dem man sich in Acht nehmen mußte, denn man muß sich schlafend nur allzuoft die Haut verbrannt haben — besonders der Säugling und das ganz kleine Kind.
Immer wach bleiben und mit dem Finger die Wärme messen konnte weder Vater noch Mutter. Ansehen konnte man dem Haufen die Hitze auch nicht, denn es war dunkel in der Nacht — da blieb nichts übrig als der warnende Zischlaut, das S-prechen des heißen Haufens. An diese Warnung mußte man sich gewöhnen, sie mußte selbst tiefen Schlaf brechen.
Ich habe mit mir da folgendes Experiment gemacht, als mir der Morgenschlaf der liebste und festeste war, denn ich saß bis nach ein Uhr bei der Arbeit. Es lag mir daran, mein Schlafmaß von fünf Stunden auf drei zu reduzieren. Ich ließ mich also wecken — natürlich um mich zuerst um eine 1,83 m haltende Längsaxe zu drehen und weiter zu schlafen. Meine Beobachtungen in freier Natur aber waren damals an die Morgenstunden gebunden. Um mich zu zwingen, ließ ich mir einen Teekessel mit warmem Wasser auf einer Spiritusflamme bringen, die knapp genug bemessen war um das Wasser eben ins Kochen zu bringen. Sprang ich da nicht schnell aus dem Bett, um meinen Tee zu bereiten, verabfolgte ich mir gar kein Frühstück. Diese Kur half, denn schlief ich auch wieder ein, so weckte mich bald das r S-ummen“ oder S-ingen des Teekessels. Das Geräusch war mir dadurch auf Jahre verleidet und weckte mich stets. Jener Kessel aber stand dicht an der Außentür eines großen Wohnzimmers, mein Bett ziemlich entfernt an der offenen Türe des Schlafzimmers. Das Geräusch war geringer als das, welches