6. (2. ordentliche) Versammlung des XIV. Vereinsjalires.
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XVIII. b) Hieran schliesse ich unmittelbar eine 2. wichtige Arbeit des Herrn I)r. M. Blanckenhorn in seinem Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahmen auf Blatt Ostheim v. d. Rhön i. d. Jahren 1901 u. 1902. Sonderabdruck loco cit. Bd. XXIII, Heft 4, herausgegeben Berlin 1905. Bl. erhielt aus einer Ostheimer Sandgrube, die früher Zeichen von Mastodon arvernensis geliefert hatte, einen Zahnrest vom Elephas meridionalis oder noch wahrscheinlicher Elephas trogontherii Pohl. Dieser E. trogontherii Pohl, der anscheinend auch in der Mark, z. B. in Rixdorf-Britz vorkommt, gilt als Leitfossil für das unterste Diluvium. In der groben eisenschüssigen Schotterlage mit Holzresten und El. cf. trogontherii hätte man, wie Bl. S. 677 ausführt, ein wichtiges Aequivalent der sog. Plateau- oder Trogontherien-Schotter Thüringens zu suchen, die der drittletzten Eiszeit oder den jüngeren Deckenschottern der Alpen entsprechen. Die Sande mit M. avernensis aber könnten ebenso wie die gleich alterigen Kiese, Sande, Thone, Walkerde und Schieferkohle mit Mastodon Borsoni und avernensis und Elephas meridionalis von Fulda, Jüchsen, Rippei’sroda, Dienstedt und dem Hohen Kreuz bei Stadtilm der Meri- dionalisstufe, der viertletzten oder ersten (alpinen) Eiszeit oder auch der zwischen den beiden ersten Eiszeiten gelegenen ersten Interglazialzeit entsprechen. Wir sähen also — schließt Blanckenhorn — in der Sandgrube von Ostheim 2 verschiedene Unterstufen der Eiszeit übereinander vertreten, eine ältere pliocäne des El. meridionalis und eine jüngere altdiluviale des El. trogontherii, die man ja auch sonst unterscheidet, aber soweit Bl. bekannt, noch niemals an einem Ort zugleich übereinander beobachtet hat.
XIX. c) Klaatsch a. a. 0. (Nr. XVII) bemerkt am Ende seiner Abhandlung S. 160 noch: „Die reichen palaeolithisclien Schätze, welche Schweinfurtli in Ägypten gefunden hat, versprechen auch für das Tertiär eine Ausbeute auf dem Terrain alter Kulturländer.“ Ich habe Urnen, wegen der Ähnlichkeit unserer heimischen ältesten Artefakte mit den altägyptischen wiederholt von letzteren Ausstellungen gemacht, wozu Herr Professor Dr. Georg Schweinfnrth liebenswürdigst das Material geliefert, habe mich auch in unserer illustrierten Festschrift X (Archiv 10. Band, 1904) des Längeren über diese Gegenstände verbreitet. Daran anschließend muß ich noch auf weitere bedeutsame Arbeiten des Herrn Dr. Max Blanckenhorn aufmerksam machen: Die Geschichte des Nilstroms in der Tertiär- und Quartärperiode, sowie des palaeolithisclien Menschens in Ägypten (Zeitschr. der Ges. f. Erdkunde, 1902, S. 694—762). Sie ersehen darin im Kapitel III die Schilderung des ersten Auftretens des Menschen in Ägypten. Es werden darin u. a. die Vereisungs-Perioden Europas mit den Pluvial-Perioden Ägyptens verglichen und wird nachgewiesen, wie es kam, daß, als in