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Zimmennann, Chronik von Niedergörsdorf.
Körben aufgemacht, so daß sie einen Durchmesser von etwa 2 l, 3 Hand- spanne bei einem Gewicht von 10 U. haben. Diese Art der Zubereitung hat ihren Vorteil, denn die Brote haben viel Krume bei wenig Kursto und trocknen nicht so leicht aus. Das Heizen der Öfen geschieht mit dürren Fichtenzweigen, welche in der Nähe derselben aufgestapelt liegen, und wird in der Regel von den Männern besorgt. —
Wenn die Bauernfrau eine Gluckhenne zum Brüten setzt, nimmt sie <Iie Eier in eine Mütze oder Hut und schüttet sie in das Brutnest mit dem Versehen:
Alle g elike (gleich) rut;
Üt jedet Ei een Kuk (Küchlein).
Geschlachtet werden in einer Ilüfnerei 3—5 Schweine außer dein Ernteschwein, welches in der Ernte als Wurst und Braten verbraucht wird. Die Schlächterei mit Wurstbereitung besorgt der Ilausschlächter, die Hausfrau tut nur Handlangerdienste. Di e ganze Schlächterei geht sehr schnell vor sich; am Morgen schreit das Schwein und am Abend duftet schon die Wurstsupp e auf dem Tische. S emmel w ird sehr reichlich zur Wurst verwendet, und wenn die Därme nicht ausreichen, wird T opfwurst g emacht. Eine bessere Dauerwurst ohne Blut wird Schwartenwurst genannt, die Bratwurst wird bei mangelnden Därmen in einen leinenen Lappen geschlagen und zumeist in die Luft gehängt, seltener in den Rauch.
Die ausgeschnittenen Braten werden in großen Pfannen gut angebraten, dann in große Töpfe getan und mit Brühe und Fett übergossen. Ebenso geschieht es mit dem Gänsebraten. Die Hausfrau kommt beim Besuch dann nicht leicht in Verlegenheit. Gänse werden von den Bauern nicht gezogen, sondern jede Häfnerei erwirbt 12—15 Stück vom Händler, dieselben machen auf einige Zeit die Straße unsicher, dann werden sie aufgesperrt und meist genudelt.
Die Leute werden nicht übel ernährt, aber wenn so ein unnützer Knecht seinen Herrn ärgern will, so singt er wohl oder schreibt au die Wand: Am Sonntag gibt es Knochenfleisc h und sonst die ganze Woche keins.
Kirchliche Handlungen.
Bei der Erstlingstaufe besonders eines männlichen Stammhalters wird eine größere Festlichkeit veranstaltet und die Zahl der Paten geht bis auf 8—10. Später verringert sich die Zahl auf die drei gesetzlichen Paten und es wird ein sogenanntes Semmelkindtau fen gefeiert. Bei unehelichen Kindern wird keine Danksagung getan; auch darf unter den 3 Paten weder ein Juuggesell noch eine .Jungfrau erscheinen — die Mütter sind zumeist bei der Taufe des Kindes in der Kirche zugegen, um Danksagung zu verrichten und den Segen zu empfangen. Vorher lassen sie sich nach der Geburt nicht auf der Straße sehen. Die Kinder