104
Kleine Mitteilungen.
Wränge. In der „Brandenburgia“ (1898, S. 272 ) teilt Herr Geheimrat Friedei mit, dass Wränge an der märkischen Oder ein Ausdruck sei flir Schiffsrippe und für die Kippe des Menschen. Wie mir im Landvolke bekannt geworden ist, heisst die in der Mark auch die Kurbel oder der Schwengel, mit dem beim Pütt, wenn er sehr „tief ist, der Eimer voll Wasser am Seil aufgewunden wird. Wrange nennt man platt auch die gebogene eiserne Kurbel, mit der die,erst in neuester Zeit bekannt gewordenen kleinen eisernen Handmühlen gedreht werden, die man irgendwo im Hause festschraubt, überhaupt die gebogene eiserne Kurbel oder Schwengel, mit der die Kader landwirtschaftlicher Maschinen gedreht werden. Das Zeitwort w ran gen hört man auch für: rangen, wenn Kangen sich balgen. Auch wringen und wrangen, z. B. „Die olle Jörenzucht, det muss sich och immer wringen und wrangen“, für ringen und rangen, und der Name Rangen für ungezogene, wilde Kinder mag damit Zusammenhängen. Nagel-- wringe heisst platt in der Mark: der Bohrer. Wäsche wringen, besonders utwringen heisst ringen, ausringen, d. h. durch Zusammendrehen das Wasser aus der Wäsche drücken.
Auch Sanders stellt rangeln, wrangen, ringen als gleichbedeutend zusammen. Ich hörte ganz vereinzelt auf dem Lande in der Mark: utjewrangelt für das übliche utjewraggelt, d. h. ausgewackelt, losgewackelt, z. B. vom Nagel in der Wand, wenn er durch Hin- und Herschlagen wackelig geworden ist. Ebenso sagt man: enen Pal loswraggeln, d. h. einen Pfahl losrütteln.
Schiller und Lübben (Niederdeutsches Wörterbuch) haben: „wrangen = ringen, Wränge, f, ein gewrungenes, gewundenes oder gebogenes Ding. So heissen beim Schiffsbau gebogene Hölzer Wrangen, wie man Boden-, Deck-, Flur-, Spiegelwrangen hat. Als Pfianzenname: Winde Convolvulus sepium“ u. s. w. Sie führen noch mehrere Kräuter an.
Danneil (Altmärkisches Wörterbuch) weist auf das gotische vringan = drehen hin. W. v. Schulenburg.
In der „Brandenburgia“, 1898, S. 326, teilt Herr Professor Dr. Jentsch eine Pestverordnung mit (gedruckt 1680 in Guben), worin es heisst: „Früh und Abend sind frische Raulen auf Butterbrot ... zu gemessen, oder Enzian, Bibernell, Olssnitz (zu wendisch Wolschownig) . . .“ Das Kraut Elsenich, das auch nach heutigem Volksglauben des Spreewalds „gut für die Gesundheit ist,“ nach Bestimmung von Herrn Professor Ascherson Thysselinum palustre (L.) Mnch., heisst jetzt lausitz-serbisch (wendisch) wólšnik, wólšenik (von wolša die Erle, Else). Auch Pfühl verzeichnet „wólšnik Sumpfsilge, Thysellinum. Rstk.“ Soll „frische Kaulen“ der Pestverordnung heissen Rauten?
W. v. S.
Für die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Cüstriner Platz 9. — Die Einsender haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteüungen zu vertreten.
Druck von P. Stankiewicz’ Buchdruckerei, Berlin Bemburgerstrasse 14.