Heft 
(1899) 8
Seite
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174 Dr. Gustav Albrecht, Wanderfahrt des Märkischen Museums nach Brunne.

Das war im Jahre 1712, aber nach einem Jahre schon war diese Be­vorzugung der Musik am Berliner Hofe mit einem Schlage zu Ende. Im Februar 1713 starb der prachtliebende erste König von Preussen, und sein Sohn Friedrich Wilhelm I., für seine Person und seinen Hof wohl der ein­fachste und sparsamste Fürst, den je die Welt gesehen, schaffte mit einem einzigen dicken Federstriche die ganze Herrlichkeit aus der Welt. Der derbe Soldatenkönig machte den ganzen überflüssigen Pomp zu Gelde, ersparte die Besoldung von Hunderten von Hofbediensteten und tilgte vor allen Dingen die gemachten Schulden. Die prachtvolle Trompeterzunft wartete beim Leichenbegängnis seines königlichen Vaters zum letzten Male auf; dann schrieb der König hinter die Namen einfach das lakonische:Kann sich zum Teufel scheren. Nur einer fand Gnade vor seinen.Augen Gottfried Pepusch hiess der Mann den er infolge seiner riesenmässigen Figur zum Stabshautboisten der sogenannten roten oder grossen Potsdamer Garde machte. Die lustigen Jagd- und Feldstückchen der paar Regiments­trompeter genügten dem Könige völlig für sein musikalisches Bedürfnis.

Es versteht sich von selbst, dass die Existenz der eigentlichen Kapelle gleichfalls vollständig zu Ende war, und so blieb Berlin ohne Musik bis zum Tode des Königs 1740. Erst mit seinem Sohn und Nachfolger Friedrich II., den die Welt nachmals den Grossen nannte, erhielt Berlin nicht nur eine neue Kapelle, sondern auch sofort ein grossartiges Opernhaus und eine so prachtvolle italienische Oper darin, dass Preussens Hauptstadt in wenigen Jahren einer der Mittelpunkte für alle höheren musikalischen Bestrebungen wurde. Schon als Kronprinz hatte Friedrich hinter dem Rücken des Vaters sich in Rheinsberg eine kleine, aber ausgezeichnete Kapelle geschaffen. Diese brachte er bei seinem Regierungsantritt mit nach Berlin, und diese Rheins­berger Kapelle ist es eigentlich erst, aus welcher in stetiger Entwickelung unsere jetzige Königliche Kapelle hervorgegangen ist. Der eingangs aus­gesprochene Gedanke: unsere berühmte Königliche Kapelle habe keinen Stiftungstag, ist also nur dann, richtig, wenn man die ganze vorstehende Vorgeschichte mit in die Wagschale wirft.

Wanderfahrt des Märkischen Museums nach Brunne im Osthavelland.

Von Dr. Gustav Albrecht.

Die Pflegschaft des Märkischen Museums zu Berlin unternahm am 16. April 1899 unter Führung des Geheimrats E. Friedei die erste dies­jährige Wanderfahrt nach dem Dorfe Brunne im Osthavelland, um die dort befindlichen Altertümer und den südlich vom Dorfe gelegenen Burgwall zu besichtigen. Von der Station Betzien-Carvesee der Ruppiner Bahn gelangten die Teilnehmer auf einem Feldwege zunächst nach dem Dorfe Betzien, in dessen breiter Dorfstrasse sich die aus Backsteinen im Rundbogenstil 1886/87 neuerbaute Kirche erhebt. Die Häuschen dieses Ortes sind zum grossen