14. (7. ordentl.) Versammlung des VIII. Vereinsjahres.
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hundert der Reformation, der Augsburgischen Konfession, des Passauischen Vertrags, und sogar des Religionsfriedens,' an sehr vielen protestantischen Orten und besonders in Sachsen, gefeiert worden ist. Wie feierlich das Jubeljahr zu Rom, sogar alle 25 Jahre seit 1300 begangen wurde, und wie die vermauerte heilige Pforte an der Peterskirche jedesmal den 24. Dezember 99 (das letzte Mal wegen der Zeitumstände ausgenommen) eröffnet, und an demselben Tage des folgenden Jahres wieder geschlossen wird, wodurch in vorigen Zeiten nicht Tausende, sondern Millionen von Pilgrimmen nach Rom gezogen wurden, ist bekannt. Die Abneigung gegen den Papst und päpstliche Einrichtungen trug mit dazu bei, dass die Protestanten die schon bei den alten Römerzeiten u gebräuchliche Sekularfeier unterliessen. Auch mochte die bei der letzten, Sekularfeier mit. vieler Lebhaftigkeit verhandelte Streitfrage: ob das Jahr 99 oder 100 das Schlussjahr des Sekulums sei? mit an dieser Vernachlässigung Schuld sein. Unter den satyrischen Münzen, die 1700 erschienen, führte eine die Inschrift: Wo sind wir?“ ,, l it
Um die Stellung des jetzigen Papstes Leo XIII. zu „der Jahrhundertsfrage zu präcisieren, muss man zweierlei unterscheiden: Das heilige Jahr, welches der Heilige Vater jüngst, in der römischen Peterskirche mit dem hergebrachten Ceremoniell eröffhete und welches allerdings mit dem 1. Januar 1900 begonnen hat, und das neue Jahrhundertsjahr. Das neue Jahrhundertsjahr hat mit dem Jubeljahr absolut nichts zu thun. Nach des Papstes Ausspruch beginnt das 20. Jahrhudert erst am 1. Januar 1901. Die in dieser. Beziehung wohl informierte katholische Märkische Volkszeitung schrieb hierzu vollkommen zutreffend am 29« Dezember 1899: •, ; i: -
„Die kürzlich veröffentlichten Anordnungen des preussischen Ministeriums über den Beginn des 20. Jahrhunderts, namentliqh , die an die Schulen der Monarchie ergangenen Weisungen, die]Kinder auf den bevorstehenden Wechsels des Jahrhunderts hiuzuweisen, haben die irrige Annahme zur Voraussetzung, dass das 19. Jahrhundert bereits am 31. Dezember dieses Jahres sein Ende erreiche. Was,-zu dieser falschen Annahme geführt hat, ist nicht recht ersichtlich. Derartige Wendepunkte können doch nicht nach blosser Willkür und Laune ..berechnet und festgestellt werden. < Die hier allein massgebende Chronologie., erklärt einstimmig als Schlusstag des neunzehnten Jahrhunderts, den 31. Dezember 1900. In der That, wer z. B. 1900 Bücher lesen soll und im Begriff steht, das 1900 te aufzuschlagen, hat eben dieses letzte! noch zu leseii ? und erst dann ist das 19 te Hundert durchstudiert. Man hatte jüngst verbreitet, auch der Papst habe die Jahrhundertwendefeier schon auf den 31. Dezember 1899 verlegt. Dann hiess es, um auch der anderen Berechnung gerecht zu werden, habe der Papst bestimmt, es solle aucl» am 31. Dezember 1900 eine entsprechende Schlussfeier veranstaltet
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