Heft 
(1899) 8
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14. A ordentl.) Versammlung des VIII. Vereinsjahres.

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die Vorstellung sich Balm zu brechen scheint, aller Jugendunterricht solle von der Heimat ausgehen. Während mm die meisten dgl. Bücher auf die Volksschule berechnet sind, dient die Borchertsche Heimatkunde der Vorstufe der höheren Lehranstalten. Einige elementare geographische Grundbegriffe leiten ein. j Dann kommt das Schulhaus und seine Um­gebung, dann Berlin, dann die Mark Brandenburg, wofür es freilich richtiger ,Provinz Brandenburg heissen würde. Alles nett und klar vorgetragen, behält der Klippschüler nur ein Zehntel von dem, was Bordiert ihm bietet, so werden wir ihn gern als neuen kleinen Gelehrten in unserer Specialwissenschaft betrachten.

5. Der Jahrhundertswechsel möge mir noch die nachfolgende kleine Mitteilung gestatten, welche mir beim Durchblättern alter Zeitungen aus der vorletzten Jahrhundertswerde in die Feder kam. Vorläufer der Eisenbahn-Personenbeförderung vor 100 Jahren. In der Voss.-Ztg. vom 0. Fehl. 1799 liest man folgende Anzeige:Die Englische fliegende Infanterie. Da die Englische Nation bei Errichtung ihrer Nationalgarde, wo jeder Kaufmann, ja sogar jeder Geistliche Soldat ist, auf Mittel dachte, diese Nationalgarde recht schnell von einer Gränze zur andern zu bringen, erfand man eine Maschine, die 40 Mann trägt, vermittelst welcher man des Tages 8 Deutsche Meilen machen kann, und sich die Infanterie ebenso schnell, als die Kavallerie, fortbewegt. Jedes Regiment hat 10 solcher Maschinen. Die Abbildung davon ist auf einem Folioblatte in allen Buchhandlungen für 10 Gr. zu haben. Bauin- gärtnerische Buchhandlung in Leipzig.

Diese Mitteilung ist interessant einmal deshalb, weil man damals gerade bei der Nation, welche sich gegen die allgemeine Wehrpflicht im Scharnhorstschen Sinne bis heut sträubt, nahe daran war, zur allgemeinen Wehrpflicht überzugehen, noch mehr aber deshalb, weil wir es hier mit einem Vorläufer unserer Eisenbahnen zu tlmn haben. Freilich die Schnelligkeit desselben mit 8 d. M. auf den Tag vermag uns nicht zu imponieren.

0. Dem Fischessen, welches nach dem Schluss unserer Sitzung im Ratskeller stattfindet, haben wir uns bemüht, auch diesmal wieder einen heimatkundigen Charakter zu geben. Waren die zwei früheren gemeinschaftlichen Fischessen in unserer Brandenburgianach alt­berlinischer Art benamset, weil wir dazu die Küchenvorschriften an­wenden, welche unser Fischereisachverständiger Herr Kretschmer so angab, wie er sie in seiner Jugend von seinem elterlichen Hause in Berlin her kannte, so haben wir diesmal ein Spreewälder-Fischessen gewählt. Fräulein Lemke, welche im Auftrag des Brandenburgischen Fischerei-Vereins den Spreew&ld bereiste, hat für unsere Mahlzeit wie folgt, die nötige Koch Vorschrift .mitgebracht.

Rezept zur Spreewaldsauce (mitgeteiltvon Herrn Gastwirt