Heft 
(1899) 8
Seite
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Elise Löwenheini, Gustav Feckert.

Höhe heran, auf welcher die altberühmte Technik des Kupferstiches schon seit langem thronte. 1834 starb Sennefelder; aber 1820 wurde schon der Mann geboren, welcher die Lithographie aus den Händen des llandwerksmässigen befreien und sie zu ungeahnter Höhe heben sollte, so dass sie sich nicht nur dem Kupferstich ebenbürtig an die Seite stellen, sondern ihn an künstlerischem Wert überragen sollte: Gustav

Feckert.

Er wurde zu Kottbus geboren; kam aber schon mit dem 4ten Jahre nach Berlin, erhielt also seine Ausbildung, die für seine Entwicklung bestimmenden Eindrücke in unserer Stadt, so dass wir Berliner ihn mit Recht als eiuen der Unsren ausehen können. Die Kindheit Feckerts war eine rauhe, freudlose. Sein Vater, ein armer Schneider, der Zeit seines Lebens mit bittrer Not zu kämpfen hatte, war ein harter, liebloser Mann, der dem Knaben alle kindlichen Freuden, selbst die beschei­densten, versagte. Gustav, in welchem schon in früher Jugend ein zartes Emplindeu, ein allen feineren Regungen offenes Herz schlug, hatte darunter sehr zu leiden. Und einer der schönsten Charakterzüge des reifen Mannes war es, dass er in späteren Jahren niemals miss­billigende Äusserungen über seinen Vater duldete und sich selbst kaum solche erlaubte. Nur wenn er sich im engsten Kreise intimster Freunde wusste wie in meinem Elternhause und die alten Erinnerungen wach gerufen wurden, stieg ihm eine Klage gleich einem Schmerzens­schrei aus der gepressten Brust hervor, z. B. dass er, als er sich einen Papierdrachen kleben wollte, sicli dazu unter das Bett verstecken musste, um sich dem Auge des Vaters zu entziehen! Einen Ersatz fand er in der Liebe der Mutter, die eine sanfte, stille, sehr fromme Frau ihm eiuen Halt bot. Sein warmes, empfängliches Herz schloss sich denn mit aller Kraft ihr an. Ihrem Einflüsse ist es wohl zuzuschreiben, dass der Knabe, als die Frage des Lebensberufes an ihn herantrat, zum Missionar bestimmt wurde. Zu diesem Berufe fehlte ihm ausser einem frommen Gemüte so gut wie alles. Vor allen Dingen eine deutliche Sprache; er sprach leise, unverständlich, nur dem Nächst- steheuden hörbar obwohl geistvoll, oft auch voller Humor und Witz; ferner aber machte ihn sein schon früh erwachtes künstlerisches Em­pfinden, sein nach Schönheit durstendes Herz zu einem so asketischen Berufe untauglich. So schlug denn das Unglück der Eltern, dass sie zu arm waren, ihm das Studium der Theologie zu ermöglichen, für ihn zum Glücke aus.

Nun trat in den Eltern der naheliegende Gedanke auf, den Knaben das Handwerk des Vaters erlernen zu lassen. Aber auch diesmal be­wahrte ein gütiges Geschick ihn vor einem Missgriff. Er war^ nämlich linkshändig. Den Vater verdross das sehr:Solche Prudelei ist nicht zu brauchen, meinte er.