Elise Lrtwenheim, Gustav Feckert.
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Inzwischen hatte sich Gustav Feckert viel mit Zeichnen und Kolorieren beschäftigt und sich damit manchen Groschen Geld verdient. Er sprach noch manchmal davon, welche Befriedigung ihn erfüllte, dass er gleich bei Ablieferung seiner ersten Bilderbogen, die er getuscht hatte, wohl schwierigere, aber auch lohnendere Arbeit erhielt: „weil icli nicht blau, blauer, am blausten getuscht hatte, wie die anderen“.
Nun, da auch die zweite Berufswahl gescheitert war, trat er an den Vater mit der dringenden Bitte heran, ihn Künstler werden zu lassen. Aber erst nach zweijährigen harten Kämpfen gelang es ihm, dieser Herzensneigung folgen zu dürfen. Er trat — 16 jährig — in das Atelier des damals berühmten Steinzeichners Albert Remy als Schüler ein und machte hier so grossartige Fortschritte, dass die 3 jährige Lehrzeit zu einer 2 jährigen herabgemindert wurde. So wurde er denn mit 18 Jahren selbstständig und zeichnete auf Stein nach französischen und englischen Bildern, aber auch schon damals nach der Natur.
In diese Zeit fällt auch wohl seine erste Knnstreise, von welcher er noch oft in späteren Jahren sprach. Mit der Begeisterung für die Natur trat auch der Wandertrieb in ihm hervor. Da er aber fortgesetzt in ärmlichen Verhältnissen lebte, so durfte er nur im engsten Umkreise Berlins gelegene Ziele wählen. Nun aber hatte er sich einmal ein Sümmchen erspart, nun wollte er die Flügel regen und hinaus in die Welt flattern! Prenzlau war das ersehnte Ziel seiner ersten Reise. — Aber ach! Schon jetzt trat die Schwäche an ihm hervor, die ihn sein ganzes Leben hindurch begleiten sollte: der vollständige Mangel in Bezug auf Schätzung des Geldwertes. Mit der minimalsten Summe glaubte er Wunder was ausrichten zu können. So auch hier. Trotz seiner höchst bescheidenen Ansprüche, die er Zeit seines Lebens gemacht und hier als junger Mensch erst recht gemacht hatte, — war das Geld zu Ende, ehe er sich dessen versah, und er vermochte nicht die geringfügige Gasthofsrechnung zu zahlen. Nun geriet er in die ärgste Verlegenheit. Der Wirt liess ihn ohne Zahlung nicht fort — wo aber die Mittel hernehmen, sich loszukaufen ? Ratlos verbrachte er mehrere Tage, von Stunde zu Stunde seine Not vergrössernd. Da kam ihm ein rettender Gedanke. Eines Abends setzte er sich hin und zeichnete den Wirt; und dieses Portrait war von solcher sprechenden Ähnlichkeit,', von solcher frappanten Wirkung, dass es das Erstaunen aller Anwesenden wachrief. Nun traten viele mit dem Wunsche, sich portraitieren zu lassen, an ihn heran, und er hatte alle Ilände voll zu thun; aus ganz Prenzlau kam man zu ihm. So konnte er trotz seiner lächerlich niedrigen Preise nicht nur seine Rechnung bezahlen, sondern er nahm noch ein Sümmchen mit nach Berlin.
Feckert war aber nicht der Mann, sich an derartigen Erfolgen zu berauschen. Er fühlte die ihm noch anhaftenden Mängel und trat zu