Heft 
(1899) 8
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Elise Lrtwenheim, Gustav Feckrrt.

seiner weiteren, höheren Ausbildung in die unter Gottfried Sohadow stehende König!. Akademie der Künste. Hier war es, wo er meinen Vater kennen lernte, der als Musterzeichner sich gleichfalls eine höhere Ausbildung zu erringen strebte, und mit dem er eine das ganze lieben hindurch währende Freundschaft schloss.

Feckert war damals 20 Jahre alt, aber die Mittel zu seinem Unter­halte sowohl als auch zu seiner Ausbildung bestritt er vollständig selbständig. Er hatte eine Stelle in dem Atelier des damals bekannten Lithographen Wildt angenommen. Wildt hatte einen verständnisvollen Blick für junge Talente, die er dann in seinen Dienst zog; so arbeitete auch unser berühmter Mitbürger Bernhard Plockhorst als junger Mann in dem Wildtschen Atelier. Während aber dieser bald diese Fessel wegen des jammervollen Lohns abstreifte, verblieb Feckert 7 volle Jahre dort, die schwierigsten Aufgaben verrichtend. Eines Tages betraute Wildt ihn mit der Reproduktion eines ganz besonders schwierigen Bildes. Der junge Künstler nahm sich der schweren Aufgabe mit allem Eifer an; hoffte er doch, sich durch diese Leistung eine bessere Stellung zu erringen. Herr Wildt schätzte das Werk so hoch, dass ei der nicht einen Strich daran gethan dasselbe unter seinem Namen herausgab, ohne des Künstlers zu erwähnen und ohne das jämmerliche Gehalt etwas auf­zubessern. Da riss denn die Geduld des sonst so langmütigen Künstlers, er streifte die Frohnden ab und richtete sich selbständig ein Atelier ein.

Gleich der erste Auftrag, den er erhielt, war nicht nur für ihn, sondern für das gesamte Kunstleben Berlins von der allerhöchsten Be­deutung: Das Rittersche Bild,Der ertrunkene Fischersohn. Das Original war von Louis Ravenö gekauft worden und bildete den Grund­stein zu der später so berühmt gewordenen Gallerie. Indem Feckert nun den Auftrag erhielt, dieses Bild auf Stein zu zeichnen, 'kam er mit Ravene in Berührung, und es knüpfte sich hier das innige Freundschafts­band, welches für beide Teile gleich förderlich wuide. Feckert wurde durch ihn in die grosse Welt geführt; es erschlossen sich ihm die vor­nehmen Kreise, Ravene dagegen lernte von Feckert die Beurteilung von Bildern und dieser wurde ihm ein Lenker und Leiter bei neuen Erwer­bungen für die Gallerie. Die schönste Frucht dieser Freundschaft ist wohl das Bildnis Louis Ravenös.

Nun begann die Blütezeit des Künstlers; Auftrag folgte auf Auftrag, und sein Name hatte in den Kreisen aller Kunstfreunde und Kunst­kenner den allerbesten Klang. Dennoch verlor er nie seine grosse Be­scheidenheit, er forderte lächerlich niedrige Preise und verschmähte jedes äussere Repräsentieren. Als gefeierter Künstler blieb er in den oft mehr als bescheidenen Lebensformen stecken, aus denen er hervorgegangen. Daher war er auch in den weiteren Kreisen der sogenannten Gebildeten nicht bekannt. Das trat z. B. bei der Taufe seines zweiten Kindes,