Elise Li'twenheim, Gustav Feckert.
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eines Sohnes, hervor — denn 1845 hatte sich der Künstler vermählt. — Obwohl icli damals noch ein kleines Kind war, weiss icli mich noch deutlich der viel besprochenen Angelegenheit zu erinnern. Die grössten Notabilitäten, der gefeierte Maler Magnus, Generalfeldmarschall Wrangel u. s. f., verschmähten es nicht, in die enge Wohnung in der abgelegenen Kaiserstrasse zur Tauffeierlichkeit zu erscheinen. Wer aber nicht erschien, das war der Prediger — der damals beliebte Dahms; — für ihn war Feckert der obscure Maler, um den er sich nicht beeilen brauchte. Die Eltern, alle Anwesenden gerieten in die äusserste Verlegenheit. Endlich musste geschickt werden. Als der Bote dann be
tonte, dass Excellenzen warteten, soll der Herr Prediger einen gewaltigen Schreck bekommen haben, und nicht lange, so war er zur Stelle. Das Erscheinen Wrangels in der finsteren Strasse, dicht an der Grossen- und Kleinen Frankfurterstrasse, einem Hauptherde der 48 er Revolution, erregte damals unter der dortigen Bevölkerung geradezu Sensation, und es wirkte beruhigend und versöhnend auf die Gemüter, dass gerade dieser Mann in die enge Strasse kam und die steile Steintreppe des dunklen Hauses erstieg, um zu dem armen Zeichner zu gelangen.
Wollte ich alle Details des Feckertschen Lebenslaufes erwähnen, müsste ich ein gut Stück Geschichte unserer Stadt erzählen. Das Leben des Künstlers spielte sich auf dem Sitze vor seinem Steine, in seinen vier Wänden, die sich im Laufe der Zeit allerdings künstlerischer ausgestalteten, ab. Infolge der sitzenden Lebensweise fühlte er das Bedürfnis nach körperlicher Bewegung, und mein Vater, in gleicher Lage, schloss sich ihm an; und lange, lange bevor an Fontane zu denken war, durchstreiften die beiden Männer die Umgegend Berlins nach allen Richtungen; und wenn die Wege nicht zu ungangbar waren, wurden wir Kinder mitgenommen, um unsere Heimat kennen zu lernen. Ich kann nicht umhin, Sie einen Blick in die damaligen Verhältnisse der Berliner Umgegend thun zu lassen. Ein Lieblingsausflug war das idyllisch einsame Picheiswerder. Von der Abgeschlossenheit dieser Insel mag Ihnen folgendes ein Beispiel geben. Wir Kinder bewunderten dort immer eine wunderschöne, in den elegantesten Kleidern einhergehende Dame mit einem ebenso schönen Knaben, der dort ein Boot besass, das in Form einer Muschel sich auf dem blauen Wasserspiegel schaukelte. Das distinguierte Wesen der beiden, ihre Eleganz hatte für uns Kinder einen märchenhaften Reiz. Wir meinten, in dem Knaben müsse ein Prinz stecken. In späteren Jahren erfuhren wir dann, dass die Dame mit einem Herrn aus den höchsten Kreisen der Berliner Gesellschaft in einem zärtlichen Verhältnisse stand und dieser Herr Grund hatte, seine Geliebte und den Knaben vor den Augen der Welt zu verbergen! Und heute! — -