Heft 
(1899) 8
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Elise Löwenheim, Gustav Feckert.

Die Vei'kehrsVerhältnisse waren vortrefflich geeignet, (len idyllischen Charakter der Berliner Umgegend zu erhalten. Um zu der ersehnten Insel zu gelangen, mussten wir um 7 Uhr in der Behrenstrasse sein; von dort fuhr der Omnibus nach Spandau ab, in demselben fuhren wir bis zur Schlangenbrücke; dort erwartete uns Kretschmer, der Fischer von Picheiswerder, der ruderte uns in dreiviertel Stunden bis zur Insel, auf der wir dann den Tag in wahrhafter Stille verbrachten; denn Berliner sahen wir noch in den 50. Jahren dort kaum, höchstens einige Menschen von Tiefwerder und Spandau und wenn wir in der Schule von Pichels- werder erzählten, kannte keine unserer Mitschülerinnen diese Insel. Erst in den bO. Jahren wurde Pichelsberg einem weiteren Kreise be­kannt. Und ebenso still und idyllisch sah es in den anderen Richtungen der Windrose um die jetzige Reichshauptstadt aus, in Hermsdorf, Saud­krug, in Buchhorst u. s. w. Orte, an denen wir damals überall die einzigen Berliner waren!

Später gelang es dem Künstler allerdings auch, einige Reisen zu machen. Nach Thüringen, auch einmal nach Bayern zu den Oberammer- gauer Spielen und einmal sogar nach Paris; doch waren das nur durch besondere Gunst herbeigeführte Ausnahmen. Das Land der Kunst, Italien, von welchem ihm seine Freunde, die Künstler, so viel erzählten, wohin er sich so sehnte, hat er nie gesehen. Denn immer blieben seine Vermögensverhältnisse äusserst bescheidene, obwohl er mit der Zeit einer der gefeiertsten Künstler geworden war und hohe und höchste Herr­schaften sich von ihm porträtieren liessen. Es regnete förmlich von Aufträgen auf ihn herab, so dass er nicht alles schaffen konnte. Dadurch gedrängt, erfand er ein neues Verfahren in seiner Kunst, welches ihm eine bleibende Bedeutung für dieselbe erworben und ihn zum Reformator der Lithographie gemacht hat. Statt des spitzen Stifts bediente er sich eines breiten, zu dem er die Masse selbst zubereitete. Auf der Basis dieser neuen Technik, an deren Vervollkommnung er sein ganzes Leben hindurch arbeitete, war es ihm möglich, eine vorher nie geahnte kolo- ristische Wirkung und Weichheit zu erreichen und den altberühmten Kupferstich zu überflügeln. Es entstanden nun jene Meisterwerke der Reproduktion nach Knaus, Richter, Krüger und anderen, die das Staunen und die Bewunderung aller Kenner hervorriefen. Feckert steht mit seiner Kunst als der Meister da, der, wie kein anderer es verstand, für jede Farbe des Ölbildes und jeden Farbwert bis in die feinsten Nüancierungen und Schattierungen hinein den adäquaten Ausdruck in der Schwarz- k\mst wiederzugeben.

Sein Ruhm blieb nicht auf Deutschland beschränkt; selbst in dem ver­wöhnten Fr ankreich, wo schon Mouilleron eine grosseKunsthöhe erreicht hatte, zollte man den Schöpfungen Feckerts volle Bewunderung. Ich weiss es noch wie heute, wie er mir die Recensionen aus französischen Zeitungen