Elise Löwenheim, Gustav Feekert.
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zum Uebersetzen gab. Und als der grosse Mouilleron einst nach Berlin kam, suchte er seinen deutschen Kollegen auf — ebenso auch der berühmte Messonier. Und der belgische Maler Gallait, ein Rufer im Streite gegen die Nazarener, drückte ihm schriftlich seine höchste Bewunderung aus für die vollendete Wiedergabe seines Bildes „Sclimerz- vergesseu“.
Aber Feekert beschränkte sich nicht auf Reproduktionen, er zeichnete vielfach Porträts nach der Natur.
Auch zum Herrscherhause trat Feekert mehrfach in Beziehung, indem er die höchsten Herrschaften porträtierte oder nach Bildern reproduzierte. Auch hier ein Beispiel unserer gänzlich veränderten Verhältnisse. Da er es liebte, bei der Arbeit ein leichtes Gespräch zu führen, besuchten wir ihn öfters in seiner Arbeitsstätte im Schlosse. Damals sperrten noch keine spitzen Eisengitter den Zugang zur Königs- wolmung ab; ungehindert konnten wir die Treppen ersteigen, die langen Gänge des Schlosses durchschreiten und niemand von den dort Angestellten hatte uns je gefragt, w r as wir dort wollten!
Hätte der Künstler es verstanden, er hätte aus seiner Tliätigkeit ein grosses Kapital herausschlagen können. Aber die Fähigkeit, über eine grössere Summe Geldes disponieren zu können, ging ihm vollständig ab. Wie oft konnte man ihn sagen hören: „Ich fühle mich nie glücklicher, als wenn ich keinen Groschen Geld im Hause habe!“ Eine grosse Geldsumme konnte ihn ängstigen. Das hing zusammen mit seiner unbegrenzten Liebe zur Einfachheit, zur Natur. Alles Gekünstelte, Luxuriöse war ihm ein Gräuel. Wenn er eine Braut sah, die einen künstlichen Myrtlien- kranz trug, war es ihm, als wenn ekle Insekten ein schönes Bild verunzierten. „Warum nicht lieber Preisselbeerkraut nehmen, wenn Myrthe zu teuer — aber nur Natur! Natur!“
Längst bevor man zur Milch als Nahrungsmittel zurückgekehrt war, pries er dieselbe als bestes Nahrungsmittel, und auf unseren Partieen bildete eine Milchsuppe unser Abendbrot.
Aber dennoch, so liebenswürdig uns auch menschlich die Antipathie gegen das Geld anmutet, so trat doch die Schattenseite dieser Eigenschaft verhängnisvoll genug im Leben des Künstlers hervor. Das an Erfindungen reiche 19. Jahrhundert brachte auch auf dem Gebiete der Reproduktion eine Umwälzung hervor, welcher Feekert zum Opfer fiel. Die Photographie mit ihrer Massenproduktion verdrängte die langsam arbeitende Lithographie; die Menschenhand kann mit der Maschine nicht konkurrieren, und die einst so gefeierte Kunst wurde depossediert. Aber jetzt im Unglück trat die Grösse seines Charakters in hellstem Lichte hervor. Er hatte sich niemals mit philosophischen Systemen den Kopf zerbrochen, doch in seinen Lebensäusserungen war er ein wahrer Philosoph. Ohne Groll und Bitterkeit, zufrieden mit den Erfolgen früherer
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