Heft 
(1899) 8
Seite
422
Einzelbild herunterladen

422

Elise Löwenheim, Gustav Feckert.

Zeit, voller Lebensfreude trug er sein Geschick, voller Mut und Ent­schlossenheit unterzog er sich der Mühe des Unilernens, um sein Leben zu fristen. Edle Freunde standen ihm bei, so dass es ihm an Aufträgen nicht mangelte. Aber er war doch zu alt geworden, um in den ihm neuen Kunstübungen die Gewandtheit und Sicherheit zu gewinnen, welche zu grösseren pekuniären Einnahmen nötig gewesen wäre. Trotz einzelner sehr schöner Leistungen vermochte er doch auf dem Gebiete der Oel- malerei keine nachhaltigen Erfolge zu eiringen, und das Aquarell, auf dem er Grossartiges hätte leisten können, dem er schon in früher Zeit seine ganze Liebe zuwandte, stand damals nicht in der Gunst des Publikums. Erst seine Schöpfungen trugen dazu bei, auf diesen ver­gessenen Kuustzweig die Aufmerksamkeit zu lenken.

Noch einmal erlebte Feckert nach langen, traurigen Jahren eine grosse Freude. Auf Anregung seiner Freunde, ganz besonders seines bedeutendsten Schülers Ernst Milsters wurde 1892 in dem Gebäude der Kunstakademie eine Ausstellung der Feckertschen Stoinzeichnungen veranstaltet. Das ganze kunstsinnige und kunstübende Berlin strömte zu dieser Ausstellung, um noch einmal die Werke des halb vergessenen Meisters zu betrachten. Diese Ausstellung war geradezu eine Auf­erstehung aus dem Grabe der Vergessenheit für den Künstler und seine Kunst. DieJungen standen vor den Werken wie vor einer Offen­barung; und gerade siedie Jungen die in der jetzt üblichen Selbstüberhebung und Selbstüberschätzung mit so grosser Geringschätzung, a Verachtung auf die Meister früherer Jahre blicken, zollen Feckert uneingeschränktes Lob und unbegrenzte Hochachtung als einem Meister allerersten Ranges.

Heute ruht der Meister im Grabe. Am 5. Oktober endete das 81 Jahre währende, arbeitsfreudige Leben. Seine Werke hat sofort die Königl. Museumsdirektion angekauft; dort ruhen sie wohl geordnet, aber auch leider wohl verschlossen, dem Auge des flüchtigen Besuchers entrückt, in Mappen. Möchten doch die Kunstsinnigen öfter hingehen, sich die Mappen geben lassen, um die Kunstschätze zu gemessen möchten sie dafür sorgen, dass die Mappen dieser Kunstschätze nicht zum Grabe derselben werden!

Anmerkung. Wenn auch die Lithographie als Kunst kaum eine Auferstehung feiern dürfte, so ist doch das Feckertsche Reformwerk nicht verloren; indem dasselbe jetzt für das Zeichnen der Petrefakten verwendet wird, hat sich dieses auf die heutige erstaunliche Höhe schwingen können. Somit ist Feckerts Thätigkeit für die Wissenschaft von unendlichem Gewinne geworden.