E. Lemke, Frösche und Kröten.
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Frösche und Kröten.
Von E. Lemke.
Geehrte Anwesende! als ich im vorigen Jahre dasVergniigenhatte, Ihnen einige Mitteilungen „Zur Geschichte der Fischerei“ vorzutragen, ahnte ich nicht, dass weitere Vorträge über dies Thema folgen sollten, allerdings nicht in unserer Gesellschaft, sondern im „Fischerei-Verein für die Provinz Brandenburg“, dessen Vorsitzender mir die Ehre erwies, an jenem Abend Zuhörer zu sein. Nun kenne ich zwar eine grosse Anzahl von Mitgliedern und Gästen der „Brandenburgia“ (wenn auch meine Kurzsichtigkeit nicht allemal die richtigen Personen herausfinden lässt), aber ich weiss doch nicht, ob unter Ihnen jemand weilt, der nicht nur mein eigenes Interesse für „Frösche und Kröten“ vollauf teilt, sondern mir auch nach dieser Richtung neue dankenswerte Aufgaben stellen wird. Ich -will indessen nicht voreilig sein und unterlasse daher die Aufforderung, mir schon jetzt ein Zeichen dafür zu geben.
In gewisser Hinsicht stehen uns Frösche und Kröten keineswegs ferner, als Fische, indem wir auch mit jenen von Kindheit an gar vertraut sind. Ja, wenn ich von mir selber reden darf, ein Frosch war mir viel interessanter, als ein Fisch. Unsere Wärterinnen hatten meinen Geschwistern und mir die Meinung beigebracht, dass wir in den Fröschen unser Ebenbild vor uns hätten. Unzählige Male wurde uns gesagt: „Quält nicht die Frösche! Das sind kleine Menschen, die noch erst der Storch bringen soll.“ Dass auf mich, als Älteste von zehn Geschwistern, diese Behauptung Eindruck machte, wird niemand verwundern. Vielleicht war sie sogar die Veranlassung, manchen Frosch erst recht zu quälen, d. li. ihn in die Hand zu nehmen, seine „Finger“ und „Zehen“ zu zählen, ihn um und um zu drehen, auf allerlei Fertigkeiten zu prüfen und entweder vor Zärtlichkeit halbtot zu drücken oder gründlich abzustrafen. Die Frösche und Kröten — die freilich in der Naturgeschichte zwei verschiedene Familien der Ordnung von Lurchen bilden, die den Namen „Froschlurche“ (Batrachia) führt — als zusammengehörig angesehen wurden, wir aber recht oft Zeuge sein konnten, dass ein armes, unschuldiges Krötchen wie der gefährlichste, abscheulichste Bösewicht behandelt wurde, so erlitt die sinnige Vorstellung von unseren Brüdern und Schwestern in Froschgestalt eine sehr bedauerliche Beeinträchtigung.
Wir wollen nun zunächst ein wenig Umschau unter den Fröschen halten. Da sind für uns hier zu Lande ganz besonders zwei Arten aus
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