Heft 
(1904) 13
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

Arnold Wenk in Nürnberg 20 ungarische Gulden und eine Anzahl Hinge, um .sie zur Anfertigung eines Halsschmuckes zu verwenden. Dabei ordnete sie in einem langen Briefe an, wie allesaufs subtilste und mit Versetzung der Steine so künstlich als möglich verfertigt werden solle, oben in der Mitte solle ein Blümlein, nebenan Blätter und ein Stiel sein, die Spitzen aber so, daß man sich nicht daran reitle oder kratze u. s. w. Ihr Pretiosenschatz war mit kostbaren Edel­steinen, Gold- und Silberarbeiten angefüllt. Erschien sie bei hohen Festen im vollen fürstlichenStaate und Apparate, so boten dieser Schatz und ihre Garderobe alles dar, was nach den Begriffen der Zeit zum äußeren Schmuck und Glanze einer Fürstin gehörte. Auf ihrem Haupte glänzten dann bald Papageien- oder schneeweiße Kranichfedern, bald Gold und Seidenstoff mit Perlensternen und goldenen Schlingen. Den Hals schmückte ein kostbares Geschmeide von Smaragden, Saphiren, Rubinen und Perlen.

Die Schultern bedeckte ein Koller bald von Goldstoff, bald von Sammet, mit silbernen oder goldenen Borten verbrämt, zuweilen mit Hermelin oder Marderpelz gefüttert. Auf der Brust wurde es von einem goldenen Heftlein zusammengehalten, das, reich mit Saphieren, Rubinen und Amethysten besetzt, mit irgend einer Figur verziert war, wie demRitter St. Georg, einemschweizer Weiblein, einemSchwan, einemMarienbilde mit dem Jesukindlein u. s. w. Zur Sommerszeit umschlang die Brust ein seidenes Tuch mit Perlenborten und Laub­gewinden. Über dem Tuch hingen dann die goldenen Halsketten. Die Hände waren gegen die Einflüsse der Witterung durchhispaniolische Handschuhe geschützt. Den Leib umschloß ein Gürtel. Aus schwarzem Sammet verfertigt, mit Goldstoff und Perlen reich versehen, trug er zu­weilen die Initialen des Fürstenpaares neben zwei gekrönten Herzen. Den Fuß endlich bedeckte der gestickte, oben mit Perlen und einigen Edelsteinen geschmückte Schuh.

Bei dem praktischen und hausmütterlichen Sinne, der der Heizogin so vorzüglich steht, konnte es nicht ausbleiben, daß auch die Ge­sundheitspflege manche Stunde ihres Stillebens in Anspruch nahm. Ein tüchtiger Arzt an einem Fürstenhofe war damals eine großo Seltenheit, und die Apothekerkunst lag noch sehr im Argen. Die Apo- theken'nahmen zum größten Teil etwa die Stelle unserer Konditoreien einT Ihren größten Absatz erzielten sie in eingemachten Früchten und allerhand Konfitüren. Die Arzneikunde, die sich auf die Kenntnis einzelner Heilkräuter und Heilstoffe beschränkte, war fast ausschließlich Sache der Laien. Zu den geschätztesten Medikamenten gehörten vor­nehmlich^ Klauen von Elendstieren, Einhorn, Bibergeil und Bernstein, zumal der von weißer Farbe. Da Preußen das gelobte Land war, aus dem man diese Stoffe erhalten konnte, und der Glaube allgemein ver-