Heft 
(1904) 13
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

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breitet war, daß ihnen nicht nur heilende, sondern auch prophylaktische Wirkung innewohne, so gelangten alljährlich ungezählte Gesuche von deutschen Fürstinnen an die Herzogin um freundliche Gewährung von Bernstein undrechtschaffenen Elendsklauen.

Der König von Dänemark, der Erzbischof Wilhelm von Riga, die Landgräfin von Leuchtenberg wurden von ihr wiederholt mit Arm- und Halsbändern von Elendsklauen beschenkt, während die Herzogin Sibylle, Gemahlin des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, sich als Stär­kungsmittel acht große weiße Bernsteinstücke, ausbat, um sie in den Händen zu tragen,weil sie oft von großer Schwäche befallen werde, wogegen Bernstein ein wirksames Mittel sei. Ähnliche Bitten äußerten die Fürstin Katharina von Schwarzburg und die Herzogin Margarete von Stettin,weil sie, wie sie klagt,mit vielen Kindlein befallen und deshalb sehr schwach sei.

Statt derBernsteinpaternoster und Elendsklauenringe wandten viele das von dem berühmten Wunderdoktor Johann Meckebach erfundene und von ihm mit ruhmrediger Selbstgefälligkeit in Gebrauch gebrachte Bernsteinöl und ein aus Bernstein und Elendsklauen präpariertes Pulver an, Medikamente, die von der Herzogin höchsteigenhändiggebrannt wurden und die zu den kostbarsten Geschenken ein Lot von diesen Mitteln wurde mit 5 Talern bezahlt gehörten, mit denen sie ihre Freunde in Deutschland erfreute.

Der Herzog von Liegnitz und die Herzogin Anna Maria von Württemberg erhielten Bernsteinöl zur Vertreibung desviertägigen Fiebers. Der Erzbischof Wilhelm und die Pfalzgräfin Maria begehrten und emplingen das Pulver als erprobtes Mittel gegen denSchlag und die fallende Krankheit, jener zugleich mit einer Reihe diätischer Vor­schriften und der freundlichen Warnung vor dem beliebtenguten Trunk. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, daß die meisten der damaligen Fürsten, weltliche sowohl wie geistliche, ihre Zeit redlich zwischen der Bibel, dem Bierkruge und der Jagd zu teilen pflegten. Auch Erzbischof Wilhelm machte in dieser Beziehung keine Ausnahme. Daher die liebe­volle Warnung der Herzogin.

Außer diesen Medikamenten verstand die Herzogin aus Wurzeln, Kräutern und anderen Ingredienzien allerhand stärkende Wasser herzu­stellen. Die damit gefüllten Gläser versah sie kunstgerecht mit Gebrauchs­anweisungen, auf denen die eigenhändige Aufschrift zu lesen war: Meiner gnädigsten Frauen Wasser, das aber nicht in Leib zu gebrauchen, denn es allein darum, daß es die Hände, Angesicht und das Haupt damit zu frischen gemacht ist. Daß auch diese Arzueipräparate an den deutschen Fürstenhöfen hochgeschätzt und eifrig begehrt waren, bedarf kaum der Erwähnung.