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Die Herzogin Dorothea von Preußen.
Was die Herzogin an Heilmitteln nicht selbst zu präparieren vermochte, verschrieb sie sich von außerhalb. So bezog sie aus Regensburg Pulver und Rezepte zu Rosen- und Cordo-Benediktenwasser, „das für allerlei Krankheiten, sonderlich aber für Vergiftung sehr gnte sein solle;“ aus Nürnberg Birkenwasser, Veilchen- und Rosensaft.
Trotz dieser vielseitigen Beschäftigung fand die treffliche Frau noch Zeit zu einer ausgedehnten Korrespondenz, sowohl mit dem häufig abwesenden Gemahl als mit ihren zahllosen Freunden und Verehrern in Deutschland. Mochten vielleicht auch manche ihrer fürstlichen Zeitgenossen bei der Abfassung schriftlicher Mitteilungen über eine gewandtere und geübtere Feder verfügen — die Herzogin nannte selbst ihre Schreibart eine „ungeschickte und närrische“ und bezeiclmete sich selbst als „eine schlechte, gar dumme, armselige Dichterin“ — so offenbarten doch ihre Briefe neben ursprünglicher Frische und köstlichster Naivität einen so hochherzigen und zugleich freimütigen Sinn, ein so reines Gemüt, ein so fühlendes Herz, daß der Leser voll Bewunderung, ja nicht ohne tiefe Bewegung zu dieser fürstlichen Schreiberin emporschaut.
Allzu früh ward dem irdischen Wirken der hausmütterlichen Herzogin*) ein Ziel gesetzt. Noch nicht 43 Jahre alt, schloß sie am Ostermontag (11. April) 1547 die „großen sanften blauen Augen“ zum ewigen Schlummer. „Wie ein Kind Gottes entschlief sie sanft im Herrn.“ Zehn Tage später, am 21. April, ward ihr Leichnam feierlich zu Grabe getragen und in der Domkirche beigesetzt.
Ihre einundzwanzigjährige Ehe war mit sechs Kindern gesegnet. Aber nur die älteste Tochter Anna Sophie 1 ) überlebte die Mutter. Drei Schwestern, Katharina, 2 ) Lucia Dorothea 3 ) und Lucia 4 ) und zwei Brüder Friedrich Albrecht 5 ) und Albrecht' 1 ) sanken schon meist bald nach der Geburt ins Grab.
*) Als schon die düsteren Todesschatten das Lager der Leidvollen umfingen, gedachte eie der „rechtschaffenen hausarmen Leute -1 und bat den Herzog, „Gott zu Ehren und der Armut zu Trost um ihrer Liebden willen“ als Geschenke verteilen zu lassen: „in jedem Amt ein zwei Stück Gewands oder in Ermangelung desselben ein XIV Mark, desgleichen XV Scheffel Korn.“ Schon am 17. April ordnete Albrecht die Ausführung dieses Vermächtnisses an.
') Geb. 11. Juni 1527 auf dem Schlosse zu Fischhausen, verm. zu Wismar am 21. Februar 1551 mit dem Herzog Hans Albrecht zu Mecklenburg, f 16. Februar 1591 in Lübz, beigesetzt 27. März 1591 im Dom zu Schwerin.
J ) Geb. „etwas zu frühe“ 25. Februar auf dem Schlosse zu Orteisburg, | vor 1. März 1528.
*) Geb. 8. April 1531, f 1. Januar 1532.
4 ) Geb. im (vor d. 23.) Februar 1537, f Anfang Mai 1539.
3 ) Geb. 5. Dezember 1529 auf dem Schlosse zu Königsberg, f 1. Januar, beigesetzt 2. Januar 1530 im Dom zu Königsberg.
®) Geb. und f im März 1539.