Heft 
(1904) 13
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9. (7. ausserordentliche Versammlung) des XIII. Vereinsjahres.

Saat. Man hat nun diese Bakterien künstlich gezüchtet und den Boden mit solchen Kulturen geimpft. Es sind aber diese Versuche sehr ver­schieden ausgefallen, sodaß man noch keine sichere Methode gefunden hat.

Gehören diese Knöllchenbakterien zu den Freunden der Pflanzen, so gibt es indessen noch mehr Feinde. Es gibt Böden, auf denen Pflanzen schlecht aufgehen, weil die Feinde im Boden die Samen oder die Keimlinge zerstören. Es ist die Aufgabe der Abteilung, diese Feinde aufzusuchen und sie unschädlich zu machen; man hat schon eine große Anzahl von chemischen Mitteln gefunden, wie Schwefelkohlenstoff, Kupfervitriol, Terpentinöl u. a. Diese Feinde im Boden sind es, welche die Bodenmüdigkeit der Pflanzen hervorrufen. Sobald eine Kultur­pflanze mehrere Jahre hintereinander an derselben Stelle gebaut wird, häufen sich ihre Feinde derartig im Boden an, daß ihr Gedeihen gehemmt wird. Diese Feinde kennen zu lernen, ist eine neue Aufgabe der Abteilung.

Wie der Boden, so beherbergt auch die Luft eine große Anzahl von Pflanzenfeinden. Einer der gefährlichsten Feinde des Getreides ist z. B. der Brand. Die Sporen dieses Pilzes werden durch den Wind verbreitet. Sie finden sich in den reifen Ähren und bilden an Stelle der Körner ein schwarzes Pulver. Für Versuchszwecke werden nun z. B. von mehreren Weizensorten 2000 Körner ausgesät, denen ein brandiges Korn beigemengt worden war. Nach der Reife werden die gesunden und die kranken Ähren sorgfältig herausgezählt. Dabei hat sich z. ß. ergeben, daß eine Sommerweizensorte sehr viel widerstandsfähiger war als alle übrigen. Man hat auch beobachtet, daß kranke Pflanzen durch passen­den Dünger wesentlich gefördert worden sind. Dabei spielen aber eine große Reihe von Zufälligkeiten nicht unwesentlich mit.

Um nun die Pflanzenkrankheiten studieren zu können, sind Pflanzen künstlich krank gemacht worden. Dieses künstliche Erzeugen von Krankheiten ist allerdings sehr schwierig. Eine kranke Pflanze hat oft mehrere Parasiten, und es muß nun festgestellt werden, welcher in erster Linie der Krankheitserreger ist. Zu diesem Zweck muß die gesunde Pflanze geimpft werden; erkrankt sie darauf, so hat man den richtigen Erreger gefunden.

Als wichtigstes Schutzmittel für die Erkrankung durch Luftpara- siteu gilt die Bordelaiser Brühe, ein Gemisch von dprozentigem Kupfer­vitriol und dprozentigem gelöschten Kalk. Diese Mischung wird auf die Pflanzen gespritzt und wirkt um so besser je feiner sie verteilt ist. Besonders wichtig ist sie für die Rebe geworden.

Nachdem Herr Direktor Aderhold noch eine Übersicht über den Plan der Biologischen Abteilung gegeben hatte, wurde der Rundgang angetreten. Es wurden zwei Abteilungen gebildet, die eine übernahm der Herr Direktor selbst und die andere Herr Kegierungsrat Appel.