Heft 
(1904) 13
Seite
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0. (7. ausserordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjahres. 239

Das umfangreiche Gebäude enthält 108 Zimmer, von denen die meisten zu Laboratorien eingerichtet werden, so daß die Räumlichkeiten in der Klopstockstraße frei werden.

Hinter dem Gebäude beginnt sogleich das Versuchsfeld, es ist 10 ha groß. Dicht neben dem Hause ist das Arboretum, ein Platz, der mit Waldbäumen und Sträuchern bepflanzt ist, eingerichtet. Dahinter tolgt ein wunderhübscher Obstgarten, mit jungen Bäumen und Strauch­obst; es sollen hier Erfahrungen gesammelt werden über Krankheiten, Aufzucht, Sorten, Behandlung der Bäume, Ertrag, Kosten etc. Es ge­hören natürlich hier Jahre zu, um ein sicheres Bild zu erhalten. Um aber im Zusammenhang zu bleiben, wird über jeden Baum und über jedes Ackerstück Buch geführt. Neben dem Obstgarten ist eine Baum­schule angelegt.

Nun folgt das Feld. Hier sind Parzellen von einem Ar Größe abgeteilt. Auf ihnen waren nun wegen der vorgerückten Jahreszeit meistens nur noch die Stoppeln vorhanden, und allein die Kartoffeln waren noch nicht geerntet. Auf einem Stück z. B. standen Kartoffeln, die an der sogenannten Schwarzbeinigkeit erkrankt waren. Auf einem andern Felde stand der junge Raps schon grün. Bestimmte Flächen dienen dazu, das Garwerden des Bodens zu prüfen, ob es z. B. vor­teilhafter ist, die Stoppeln liegen zu lassen oder gleich umzupflügen. Unter einem Schuppen endlich werden Versuche angestellt über die Behandlung des Stalldüngers. Den Schluß der Feldstücke bilden eine Anzahl größerer Parzellen, auf denen man die Wirkung der Fruchtfolge studieren will; man hat zu dem Zwecke einen sechs­jährigen und einen dreijährigen Turnus eingerichtet. Man will hier den Einfluß des Fruchtwechsels auf das Gedeihen der Bodenparasiten erforschen. Als Ergänzung hierzu dienen die sogenannten ewigen Felder, auf denen ununterbrochen dieselbe Frucht gebaut wird. Es handelt sich hier darum, die Ursachen für die Bodenmüdigkeit einer Pflanze zu finden.

An der Grenze des Grundstückes zieht sich ein Streifen mit Lupinen entlang, welche den Boden für die Aufnahme von Weinreben vorbereiten sollen. Auf der anderen Längsseite sind Versuche mit amerikanischen Reben im Gange. Man hat auf die amerikanischen Reben einheimische gepfropft, weil die Wurzeln der amerikanischen Reben gegen Schmarotzer unempfindlicher sind als die einheimischen, und man hofft, daß es unseren Reben nichts schaden und der Wein seinen guten Geschmack behalten wird.

Aber nicht nur den mikroskopischen Bewohnern des Bodens und der Luft widmet man seine Aufmerksamkeit, sondern auch den größeren. Man hat z. B. ein geräumiges Gehege aus Blech hergestellt, in welchem die wühlenden Säugetiere, wie Ratten und Mäuse, beobachtet werden.